Interview: „Gestiegene Strompreise sind gerechtfertigt“

In nächster Zeit könnten die Preise aber wieder sinken, so VEÖ-Präsident Pistauer.

Die Presse: In den vergangenen Wochen gab es von den Energieversorgern deutliche Preissteigerungen. Sind diese gerechtfertigt?

Michael Pistauer: Ja. Die Preissteigerungen sind absolut gerechtfertigt. Die Preise am Großhandelsmarkt sind seit 2007 ebenfalls zwischen 25 und 30 Prozent gestiegen. An die Kunden wurden diese Preissteigerungen ohnehin verzögert weitergegeben.

Diese Preiserhöhungen von teilstaatlichen Unternehmen kamen wenige Tage nach der Nationalratswahl. Wohl kein Zufall, oder?

Pistauer: Zweifelsohne sind Vorwahlzeiten nicht der richtige Moment, um Preiserhöhungen auch nur zu diskutieren. Sonst wird das zu einer politischen Diskussion. Eigentlich hätten die Erhöhungen bereits früher erfolgen sollen. Die Wahl hat also eigentlich einen positiven Effekt zugunsten der Konsumenten gehabt.

Was ist der Grund für die Preiserhöhungen?

Pistauer: Der wichtigste Grund ist der massive Anstieg der Primärenergiepreise. Der europäische Markt ist immer noch von der thermischen Energie getrieben. Und die Preise für Öl, Gas und Kohle sind eklatant gestiegen. Zusätzlich werden die Energieversorger mit den Kosten der CO2-Zertifikate belastet, bei denen die Gratiszuteilungen massiv zurückgegangen sind.

Der Ölpreis ist inzwischen stark gefallen. Wann wird sich dieser Rückgang bei den Kunden bemerkbar machen?

Pistauer: Die Höchststände beim Ölpreis mit rund 140 Dollar je Fass waren in den Strompreisen ja nie abgebildet. Und auch ein Ölpreis zwischen 70 und 80 Dollar ist noch sehr hoch. Sinkt der Ölpreis nachhaltig, dann müsste das auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Allerdings ist schwer zu sagen, welcher Ölpreis derzeit im Markt abgebildet ist.

Was halten Sie von sogenannten Fixpreisgarantien, wonach die Preise auf dem derzeit hohen Niveau eingefroren werden?

Pistauer: In dieser Frage gebe ich keine Empfehlungen ab. Ich gebe ja auch keine Empfehlungen für die Entwicklungen von Börsenkursen ab. In den nächsten Jahren könnten die Preise zwar durchaus auch einmal nachgeben. Das hängt ja auch mit der Wirtschaftsentwicklung zusammen. Längerfristig werden sie aber wieder steigen. Der globale Hunger nach Primärenergie ist weiterhin hoch. Außerdem gibt es sehr ambitionierte Klimaziele in der EU und Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2008)

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