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Zischel, zischel

Dass unsere neuen Parlamentarier die großen Probleme des Landes negieren, ist eine arglistige Verleumdung.

Schauen S', Herr Schüssel, die Zeiten sind anders!“ Wortfetzen dringen an unser lauschend Ohr. Wir haben uns vor der Parlamentsdirektion hinter einem Buchsbaum verborgen. „Ein Notstand“, wimmert der geplagte Beamte. „Es gibt keinen Pflegenotstand, kruzitürken!“: Ja, das war das rasiermesserscharfe Organ unseres einstigen Kanzlers. „Nein, bei den Büros“, schreit nun auch der Beamte jämmerlich, „bei den Quadratmetern! Sie müssen Ihre Suite im Palais Epstein räumen!“ – Jetzt zischelt der einst so Mächtige – und da wird er besonders gefährlich: „Und vielleicht an einem kleinen Schreibtisch arbeiten wie jeder Mandatar?“ – Schweigen. Unheil kündendes Schweigen. Dann bricht aus unserem Beamten der ganze Zorn über sein Schicksal heraus: „Das Palais hat der Staat renoviert, als Stätte der Begegnung, offen für die Bürger, so hat's uns der Khol verkauft. Und jetzt hamma scho wieder zu wenig Platz für die Herrschaften . . .“ – Und wir? Wir haben genug gehört. Nichts wie weg! hws


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2008)