Dividende gestrichen, Haupt-Versammlung angefochten: Immofinanz muss ihre Liquiditäts-Probleme eingestehen, mit der Corporate Governance hapert es immer noch.
Vor genau einem Monat hat der damalige Chef der Immofinanz, Karl Petrikovics, bei der Hauptversammlung groß aufgedreht: Der Gesellschaft gehe es blendend, dass der Börsenkurs der zweitgrößten Immobilien-AG Europas innerhalb eines Jahres um mehr als 90 Prozent eingeknickt war, sei eine unverständliche Übertreibung nach unten.
Und die Liquiditätsklemme, die renommierte internationale Analysten konstatierten und über die „Die Presse“ im Vorfeld mehrmals berichtet hatte? Böswillige Unterstellungen von ahnungslosen Analysten und missgünstigen Journalisten!
Man könne ja demonstrieren, wie liquid das Unternehmen sei: Der Hauptversammlung wurde eine Dividende von 40 Cent je Aktie (das entsprach damals einer Dividendenrendite von mehr als 20 Prozent, jetzt wären es schon gut 30) vorgeschlagen – und von der Hauptversammlung auch genehmigt.
Dass die Dividende in zwei Tranchen ausbezahlt werden sollte, was zumindest Fragen zur kurzfristigen Liquidität der Gesellschaft aufkommen lassen konnte, tat dem Hochgefühl der Aktionäre keinen Abbruch.
Vier Wochen später ist alles anders: Petrikovics ist gefeuert, und der neue Chef der Gruppe, Thomas Kleibl, bringt eine Anfechtungsklage zur Hauptversammlung ein, um die Dividende, die sich die Immofinanz beim besten Willen nicht leisten kann, knapp vor dem Auszahlungstermin der ersten Tranche am 28. Oktober wieder zu streichen.
Begründung: Wegen der finanziellen Lage der Gesellschaft hätte eine derartige Gewinnausschüttung (im Volumen von immerhin 185 Mio. Euro) laut Aktiengesetz nicht beschlossen werden dürfen. Da hat der neue, nach dem Petrikovics-Rauswurf ziemlich überstürzt installierte Immofinanz-/Immoeast-Chef wohl die wahre Lage des Unternehmens erkannt und die Reißleine gezogen, bevor er in aktienrechtlich bedenkliches Terrain hinübersegelte.
Für die Kleinaktionäre, die mit der als nahezu mündelsicher verkauften Aktie schon einen Großteil des eingesetzten Vermögens verloren haben, ist das vorerst nicht so schlecht: Eine Immofinanz, die überlebt und irgendwann wieder Boden unter die Füße bekommt, ist allemal besser als eine, die an ihrer eigenen Dividende erstickt.
Wahrheit kommt ans Licht
Sie, denen der Zustand ihres Unternehmens (und diverse aufklärungsbedürftige Zahlungsströme innerhalb des Konzerns) jahrelang verschwiegen wurden, sollten sich allerdings auch keinen Illusionen hingeben, sondern der Wahrheit ins Auge blicken. Und die sieht ungefähr so aus:
• Die Immofinanz sitzt auf hohen Vermögenswerten, ist aber auch hoch verschuldet. Und sie steckt in einer teuflischen Liquiditätsklemme. Unter anderem hat sie offenbar Probleme, das 1,8-Milliarden-Euro-Darlehen ihrer Tochtergesellschaft Immoeast zu bedienen. Das Darlehen wird wahrscheinlich durch Fusion mit der Immoeast zum Verschwinden gebracht werden, was aber wohl zu Lasten der Immoeast-Aktionäre gehen wird.
• Die Lage der Immofinanz ist durchaus dramatisch, wie die hektischen Krisengespräche der involvierten Großbanken in den vergangenen Tagen zeigen. Es sieht aber so aus, als würden diese Banken die Liquidität halbwegs sicherstellen. Denn Verluste von mehreren Mrd. Euro, die ihnen bei einer Immofinanz-Insolvenz blühen würden, könnten sie derzeit eher nicht gebrauchen.
• Ein Problem sind noch die 360 Mio. Euro, die Immofinanz/Immoeast als Ablöse für das externe Management durch die Constantia Privatbank (CPB) zahlen sollen. Das ist aber lösbar, denn die CPB gehört nach ihrer Beinahepleite jetzt ja auch den Großbanken.
Mit diesem externen Management sind wir nun beim Aufsichtsrat: Nicht wenige Aktionäre fragen sich schon, wie es sein konnte, dass renommierte Wirtschaftsgrößen wie etwa Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer oder Ex-CA-General Guido Schmidt-Chiari in den diversen Aufsichtsräten eine Konstruktion mittragen konnten, bei der die von Petrikovics gemanagten Unternehmen Immoeast/Immofinanz der von Petrikovics geführten CPB hohe Summen dafür zahlten, dass die von Petrikovics geführte CPB die von Petrikovics geführten Unternehnem Immoeast und Immofinanz „managte“. Und wieso ein derart eklatanter Mangel an Corporate Governance keine Konsequenzen nach sich zieht.
Dieses völlig inkompatible System ist jetzt zwar Geschichte. Aber von Transparenz merken die Aktionäre, wie die anhaltende Geheimnistuerei um die Geschäfte mit den Liechtenstein-Stiftungen zeigt, noch immer nicht viel.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2008)