Darabos: Innenminister mit Verspätung?

PK DES BUNDESHEERES ZUM NATIONALFEIERTAG: DARABOS
PK DES BUNDESHEERES ZUM NATIONALFEIERTAG: DARABOS(c) APA (Georg Hochmuth)
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Darabos soll das Ressort wechseln – Fekter könnte ÖVP-Klubchefin werden.

Die Koalitionsgespräche vor zwei Jahren wird Norbert Darabos vermutlich in eher schlechter Erinnerung behalten haben. Als Anwärter für das Amt des Innenministers war der Burgenländer in die Verhandlungen gegangen – und als Verteidigungsminister mit Zivildiener-Vergangenheit ist er herausgekommen.

Dabei hätte Darabos belohnt werden sollen, nachdem er die SPÖ als Bundesgeschäftsführer überraschend zur stimmenstärksten Partei und somit Alfred Gusenbauerzum Kanzler gemacht hatte. Doch der Darabos-Aufstieg zum Heeresminister entpuppte sich als Bürde, weil das zentrale SPÖ-Wahlkampfversprechen – Stornierung der Eurofighter – nicht einlösbar war.

Spät, aber doch könnte der 44-jährige Darabos nun dennoch zu Innenminister-Ehren kommen, das zumindest erzählt man sich dieser Tage in der SPÖ. Indizien dafür gibt es gleich mehrere.

Zum einen: Parteichef Werner Faymann wird sich kaum nachsagen lassen wollen, dass er sich wie weiland Gusenbauer von der ÖVP über den Tisch ziehen habe lassen. Insofern muss (zumindest) eines der großen Ressorts – Finanzen, Inneres, Äußeres – zur SPÖ wechseln.

Dem Vernehmen nach hat der SPÖ-Chef das Innenministerium im Visier. Damit kommt Darabos ins Spiel. Weil er, zweitens, zu den roten Experten auf diesem Gebiet zählt. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet er den Themenbereich „Sicherheit“ mit Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) verhandelt.

Indiz Nummer drei: Die kolportierte Ministerriege der SPÖ setzt sich mit Doris Bures, Claudia Schmied, Andreas Schieder und Wolfgang Katzian ausschließlich aus Wienern zusammen. Faymann braucht auch Ländervertreter. Darabos ist Burgenländer – und ein erfahrener Bundespolitiker. Obendrein wäre seine Nominierung ein Tribut an die – prozentuell gerechnet – stärkste Landesorganisation: die SPÖ Burgenland.

Und Fekter? Sie könnte die Führung des ÖVP-Klubs übernehmen, wenn Parteichef Josef Pröll, der am Montag für dieses Amt kandidiert, Vizekanzler wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2008)

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