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Haider: Spekulationen um eine zweite Obduktion

Claudia Haider pays her respect at the coffin of Governor Haider during the funeral in Klagenfurt
(c) REUTERS (Leonhard Foeger)

Jörg Haiders sterbliche Überreste sollen angeblich zur weiteren Untersuchung ins Ausland gebracht werden. Haiders Witwe Claudia soll Zweifel an der von ihrem Mann konsumierten Alkohol-Menge haben.

KLAGENFURT (bene). Eigentlich hätte Jörg Haiders Leichnam Anfang dieser Woche im Krematorium von Villach verbrannt werden sollen. Das ist nicht geschehen. In Klagenfurt halten sich nachhaltig Gerüchte, wonach die sterblichen Überreste des tödlich verunglückten Landeshauptmannes nach Italien oder in die Schweiz gebracht werden sollen. Offiziell gibt es dazu nur die Mitteilung des Bestattungsinstituts, dass die sterblichen Überreste noch in Klagenfurt „auf Eis liegen".

Aus BZÖ-Kreisen verlautet, dass Haiders Leiche im Ausland noch einmal obduziert werden soll. Haiders Witwe Claudia misstraue nämlich den Angaben, so heißt es, dass ihr Mann in so kurzer Zeit so viel Alkohol getrunken habe.

Das Unfallopfer hatte zum Zeitpunkt des Crashs nach Angaben des gerichtsmedizinischen Instituts in Graz 1,8 Promille Alkohol im Blut. Zeugen hatten jedoch berichtet, dass Haider beim Besuch einer Party in Velden noch durchaus nüchtern gewirkt habe. Der hohe Alkoholisierungsgrad soll in relativ kurzer Zeit in einem Klagenfurter Szenelokal zustande gekommen sein.

Zweifel an Alkoholmenge

Nun hört man aus dem BZÖ, dass sich Claudia Haider einen solchen „Sturztrunk" nicht erklären könne. Ein solcher wäre für Jörg Haiders übliches Verhalten „völlig untypisch".

Das sagt auch Haiders früherer Freund, Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer, den Claudia Haider als Rechtsbeistand zugezogen hat. „Ich habe Jörg Haider oft getroffen, er hat eine praktisch vernachlässigbare Menge Alkohol getrunken." Ein halbes bis ein ganzes Achterl Wein.

Böhmdorfer wird für die Familie Verlassenschaftsangelegenheiten regeln. Ob er mit einer möglichen neuerlichen Obduktion zu tun hat? „Dazu kann und will ich nichts sagen", sagt Böhmdorfer zur „Presse".

In Kärnten kursieren bereits Gerüchte, Haider könnte zum Unfall-Zeitpunkt durch sogenannte K.o.-Tropfen beeinträchtigt gewesen sein.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2008)