Wiens Altbürgermeister Helmut Zilk gestorben

Zilk
Zilk(c) Robert Jaeger
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Helmut Zilk ist am Freitag um 7:20 Uhr im Alter von 81 Jahren im Wiener Wilhelminen-Spital im Schlaf an Herzversagen gestorben. Er war langjähriger Dialysepatient und litt an einer Herzinsuffizienz.

Der frühere Wiener Bürgermeister Helmut Zilk ist heute früh im Alter von 81 Jahren verstorben. Wie der Wiener Krankenanstaltenverbund mitteilte, ist er im Wilhelminenspital "friedlich" einem Herzversagen erlegen. Als Todeszeitpunkt nannten der behandelnde Arzt Kurt Huber 7:20 Uhr - den Zeitpunkt, als die Wiederbelebungsversuche eingestellt wurden.

Quer durch die Parteien bekundeten die heimischen Politiker am Freitag ihr Bedauern zum Tod Helmut Zilks. SP-Chef Werner Faymann trauerte um "einen der wichtigsten Vertreter der heimischen Sozialdemokratie und einen großen Humanisten", Bundeskanzler Alfred Gusenbauer verwies auf die "menschliche Größe", die Zilk stets bewiesen habe. VP-Chef Josef Pröll stellte die Volksnähe Zilks in den Vordergrund, FP-Obmann Heinz-Christian Strache die Prinzipientreue und Handschlagqualität. Für BZÖ und Grüne verliert die SPÖ mit Zilk einen authentischen Politiker und ihr "soziales Gewissen".

Wegen Infektion in Behandlung

In Behandlung begeben hatte sich Zilk vor rund drei Wochen wegen einer Infektion, die er sich an seinem Urlaubsort in Portugal zugezogen hat. Laut dem behandelnden Arzt Kurt Huber hat er sich wahrscheinlich an einem Kaktus im Garten am Unterschenkel verletzt. Das habe sich infiziert, und in Folge sei ein Abszess bei einem Lymphknoten in der Leistengegend entstanden, der letztlich operiert werden musste. Zur Nachbehandlung waren mehrere chirurgische Eingriffe nötig - der letzte Eingriff wäre für Freitag geplant gewesen.

Als Zilk am Freitagmorgen für die chirurgische Nachkontrolle vorbereitet werden sollte, bat er laut Huber darum, noch etwas schlafen zu dürfen. "Er ist offenbar im Schlaf verstorben und hat nichts davon mitbekommen, dass das Herz aussetzt", sagte Huber. Die um 7 Uhr begonnenen Wiederbelebungsversuche seien nach 20 Minuten erfolglos abgebrochen worden. Für die Ärzte sei der Tod überraschend gekommen, so Huber.

Zilk war seit etwa zweieinhalb Jahren zweimal täglich auf Dialyse angewiesen. Im Urlaub habe er dafür eine hochmoderne Dialysestation nahe seines Aufenthaltsortes an der Algarve besucht, sagte Huber.

Zilks Witwe Dagmar Koller ließ über Huber ausrichten, dass sie in den nächste Stunden keine Stellungnahme abgeben möchte. Sie bedanke sich aber für die vergangenen Wochen, "wo man trotz des großen Interesses an Dr. Zilk sich sehr zurückgehalten hat seitens der Presse", betonte Huber.

■ Hilfslehrer nach '45, Studium, Promotion. Unterricht an der Lehrerbildungsanstalt.

■ Erfinder des Schulfernsehens; Beitritt zum SPÖ-Lehrerverein.

■ Moderator und Ein-Mann-Show in der legendären TV-Sendung "Stadtgespräche".

■ Programmdirektor Fernsehen unter ORF-Chef Gerd Bacher.

■ Ombudsmann und Kolumnist in der "Kronen-Zeitung".

■ Amtsführender Stadtrat für Kultur, Chef der Wiener Festwochen.

■ Unterrichtsminister in der rot-blauen Koalition Sinowatz/Steger.

■ Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien.

■ Wieder Ombudsmann für die "Krone" nach Rücktritt 1994.

■ Bundesheerreformer für die Regierung Schüssel. Das Heer bekam eine Schlankheitskur.

■ Lebenskünstler. In der gleichnamigen TV-Serie plauderten Prominente mit Zilk – wenn er sie zu Wort kommen ließ.

(Ag.)

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