Affäre: AvW gibt Konzession zurück

(c) APA (Hans Klaus Techt)
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Beim angeschlagenen Finanzdienstleister AvW überschlagen sich die Ereignisse. Das Unternehmen hat die Konzession als Wertpapier-Dienstleister abgetreten.

WIEN. (red.). Der Knalleffekt kam am Freitag nach Börseschluss: Die in Turbulenzen geratene Finanzfirma AvW Invest teilte ihren Aktionären mit, dass sie mit sofortiger Wirkung ihre Wertpapierdienstleister-Konzession zurückgegeben hat. Über diesen Schritt sei auch die Finanzmarktaufsicht (FMA) informiert worden, heißt es in der Meldung. Was dieser Schritt konkret bedeutet, wollte die AvW nicht sagen. „Wir befinden uns ständig in Verhandlungen“, hieß es bei der Kärntner Gesellschaft.

Die mangelnde Kommunikationspolitik des Unternehmens hatte bereits in den vergangenen Tagen für massive Kritik gesorgt. „Da wird eine ad-hoc-Meldung ausgeschickt. Und keiner will dazu von der Firma Stellung nehmen,“ ärgern sich Kleinaktionäre.

Anleger sind empört

Seitens der FMA heißt es dazu, dass die Rückgabe der Konzession erst rechtmäßig wird, wenn alle bestehenden Kundengeschäfte abgewickelt sind. Die Aufsicht hatte erst vor kurzem einen Aufpasser in den AvW-Vorstand geschickt.

Die Firma war Mitte Oktober in einen Liquiditätsengpass geraten. Durch unautorisierte Wertpapiertransaktionen eines inzwischen verhafteten Mitarbeiters sei ein Schaden von 50 Mio. Euro entstanden, sagte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Auer von Welsbach. Anlegervertreter bezeichneten die Rückgabe der Konzession als „dramatischen Schritt“.

Damit verliert AvW eine wesentliche Geschäftsgrundlage. Das Unternehmen wird künftig keine Anlageberatung mehr durchführen. Auch eine Vermögensverwaltung ist nicht mehr möglich. „AvW wird zu einer reinen Beteiligungsgesellschaft“, sagen Insider. Viele Kleinanleger meinen, es sei nun an der Zeit, die Liquidation anzustreben, die Beteiligungen zu versilbern und die Erlöse den Anlegern auszuzahlen. Auer von Welsbach hatte noch am Mittwoch erklärt, er werde für sein Lebenswerk kämpfen. Doch mit der Aktie der Firma geht es steil bergab.

Auf die Inhaber der AvW-Genussscheine hat die Rückgabe der Konzession vorerst keine Auswirkungen. Der Rückkauf der Scheine bleibt bis Jahresende eingestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2008)

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