Gusenbauer als Tauwetter-Mann

Dalai-Lama-Empfang in Wien kein Thema mehr. China lädt Heinz Fischer ein.

PEKING (lie). Über ein Jahr lang war das Verhältnis zwischen Österreich und China getrübt, jetzt scheint wieder die Sonne: Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) musste sich in Peking keine Beschwerden mehr darüber anhören, dass er im September 2007 den Dalai Lama, das Oberhaupt der Tibeter, empfangen hat.

Der chinesische Premier Wen Jiabao bedankte sich „für die österreichische Hilfe nach dem Erdbeben im Mai in Sichuan und bei den Olympischen Spielen.“ Und er lud Bundespräsident Heinz Fischer im kommenden Jahr zu einem Staatsbesuch nach China ein. „Das Thema Dalai Lama wurde jetzt von chinesischer Seite nicht mehr angesprochen“, hieß es am Freitag. Nach Gusenbauers Dalai-Lama-Empfang hatte Peking die politischen Kontakte weitgehend auf Eis gelegt.

„Die Beziehungen zwischen China und Österreich sind sehr gut“, sagte Gusenbauer nach dem 20-minütigen Treffen mit Wen zur „Presse“. Beide Länder wollten die wirtschaftlichen Beziehungen ausbauen, den Kulturaustausch stärken und enger bei der effizienteren Nutzung von Energien kooperieren, erklärte er. Dabei will Österreich China als Markt für Umwelttechnologien erobern.

Gusenbauer begrüßte die Verleihung des Sacharow-Preises für Meinungsfreiheit an den chinesischen Bürgerrechtler Hu Jia durch das EU-Parlament. „Den Sacharow-Preis an Persönlichkeiten zu verleihen, die sich um die Menschenrechte verdient gemacht haben, ist eine gute Tradition“, sagte der Kanzler. Ein chinesischer Regierungssprecher hatte die Ehrung Hus zuvor als „schwere Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas“ verurteilt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2008)

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