Die Autoindustrie leidet. Davon profitieren jene, die doch kaufen wollen. Bis zu 15 Prozent Rabatt sind möglich.
Wien. Auftragsrückgänge, Produktionsstilllegungen und Jobabbau. Die Autoindustrie wurde in Europa als erste Branche von den realen Auswirkungen der sich zur Wirtschaftskrise wandelnden Finanzkrise hart getroffen. Auch in Österreich kämpfen die Autozulieferer mit den negativen Folgen der Kaufzurückhaltung und müssen in vielen Betrieben auf Kurzarbeit umstellen oder Mitarbeiter kündigen. Doch es gibt auch Profiteure dieser Entwicklung: und zwar jene, die trotz Aktiencrash über genügend Geld verfügen, um sich ein neues Auto zu kaufen.
Kaum Margen für Händler
In Deutschland werde der durchschnittlich erzielbare Rabatt von rund 15 auf 20 Prozent ansteigen, meinte zuletzt der oft als „Autopapst“ titulierte Professor für Automobilwirtschaft Ferdinand Dudenhöffer. „In Österreich ist die Situation grundsätzlich ähnlich wie in Deutschland“, meint dazu Andreas Kreutzer von der Marktforschungsagentur Kreutzer, Fischer & Partner. Allerdings sei das Rabattniveau hierzulande generell etwas geringer. „Bislang waren im Schnitt zehn Prozent Rabatt möglich. Dies dürfte nun auf 15 Prozent steigen“, so Kreutzer. Die zusätzlichen Rabatte müssten jedoch von den Herstellern im Rahmen von Aktionen kommen.
„Die Händler können aufgrund ihrer Margen von ein bis zwei Prozent kaum noch mehr geben“, sagt Mario Rohracher vom ÖAMTC. Und hier sei fraglich, inwieweit Österreich erstes Ziel solcher Aktionen sei. Denn während der Autoabsatz im September in Europa um 8,2 Prozent zurückging, legte er in Österreich um 2,2 Prozent zu.
„Die Zahlen, die Herr Dudenhöffer verwendet, sind meiner Meinung nach Fantasiezahlen“, sagt Hermann Becker, Sprecher des heimischen Branchenprimus Volkswagen. Er erwartet hierzulande keine Rabattschlacht, wie sie in anderen Ländern vorhergesagt wird. „Der Autohandel ist sowieso schon seit Jahren ein Käufermarkt“, sagt Becker.
Sicher ist, dass der Rabatt von mehreren Faktoren wie etwa dem Hersteller abhängt. So waren vor allem deutsche Konzerne in der Vergangenheit dafür bekannt, eher zurückhaltend bei Rabatten zu sein. Mehr Nachlass gab es üblicherweise bei französischen, italienischen oder asiatischen Autoproduzenten. Dies könnte sich nun jedoch ändern, da vor allem BMW und Mercedes von den Absatzrückgängen in den USA stark betroffen sind.
Schnäppchen im Dezember
Aufpassen muss der Autokäufer jedoch, dass Rabatt nicht immer Nachlass vom Listenpreis bedeutet. Oft werden darin auch Zinsvorteile durch niedrig verzinste Autodarlehen eingerechnet. „Der kluge Käufer verhandelt daher zuerst den Rabatt und erst dann die Finanzierung“, sagt Kreutzer. Eine andere Möglichkeit, günstiger zu einem neuen Auto zu kommen, sind sogenannte Tageszulassungen. Dabei werden Neuwagen von den Händlern selbst zugelassen, um gewisse vom Hersteller vorgegebene Ziele zu erreichen. Zu Jahresende nimmt die Zahl der Tageszulassungen traditionell zu. Allerdings gibt es auch hier kleine Nachteile: So beginnt die Gewährleistung ab dem Tag der Zulassung zu laufen, und das Auto hat später auf dem Gebrauchtwagenmarkt einen Nachteil, da es ein (Bau-)Jahr „älter“ ist als ein Auto, das im Jänner gekauft wird.
Auf einen Blick
■ 15 Prozent Rabatt sind laut Experten beim Autokauf derzeit möglich. Allerdings bedarf es dafür Sonderaktionen der unter Verkaufsdruck stehenden Hersteller. Die Händler sind mit ihren Margen bereits am Ende.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2008)