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Dämmerungs-Einbrüche: Aktion scharf

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Niederösterreichs Polizei startet Schwerpunkt gegen Wohnungseinbrüche: Im Herbst haben Täter, die in der Dämmerung zuschlagen, Hochsaison. Besonders gefährdet sind Orte entlang von Autobahnen.

WIEN. „Dämmerungseinbrüche sind in Niederösterreich Jahr für Jahr ein sehr sensibles Thema. Deshalb werden wir in den nächsten Monaten besonders gefährdete Gebiete, wie eben Siedlungen an Transitrouten, verstärkt überwachen“, erklärt NÖ-Sicherheitsdirektor Franz Prucher der „Presse“. Der Herbst ist die „ideale“ Saison für Täter, die auf derartige Einbrüche spezialisiert sind.

Ein Blick in die niederösterreichische Kriminalstatistik zeigt, wie häufig Kriminelle in den Herbst- und Wintermonaten aktiv sind: Von Anfang Oktober 2007 bis Ende Februar 2008 wurden 1286 Einbrüche in Wohnhäuser registriert. In der Zeit von 1. Mai bis 30. September 2007 – also in den Sommermonaten – waren es lediglich 579.

In Niederösterreich sind davon besonders Orte entlang von Transitrouten betroffen. Die Täter sind rasch auf der Autobahn und ersparen sich Fluchtwege auf engen Straßen. Häufig werden diese Einbrüche entlang von West-, Süd- oder Ostautobahn begangen, aber auch in den Großräumen Krems und St. Pölten (siehe Grafik). Analysen aus dem Sicherheitsmonitor (er gibt der Exekutive ein tagesaktuelles Lagebild der Kriminalität) zeigen – wie es in einem Artikel der aktuellen Ausgabe der „Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis heißt“ –, dass in Österreich rund 70 Prozent aller Wohnungs-, Wohnhaus- und Geschäftseinbrüche entlang von Autobahnen oder Schnellstraßen stattfinden würden.

 

Tatzeit zwischen 17 und 21 Uhr

Es sind in erster Linie ruhige Wohnsiedlungen am Rande von Ortschaften oder Städten, Einfamilienhäuser oder Reihenhäuser, die Dämmerungseinbrecher anziehen. Sie schlagen dann zu, wenn die Bewohner zwar von der Arbeit noch nicht zu Hause sind, die Einbrecher aber bereits den Schutz der anbrechenden Dunkelheit genießen. Die Banden sind am häufigsten in der Zeit zwischen 17 und 21 Uhr, aber vereinzelt auch während der Mittagszeit aktiv. Zumeist kundschaften sie Wohngebiete mit wenig Durchzugsverkehr aus. Siedlungen, in denen sie schon einmal erfolgreich waren, suchen sie oft auch ein zweites Mal heim.

Laut Polizei ist der Sachschaden durch die Einbrüche in vielen Fällen höher als die gesamte Beute. Denn die Täter öffnen die Türen und Fenster meist mit Brachialgewalt, spezielle Einbruchswerkzeuge verwenden nur die wenigsten. Untersuchungen der Kriminalisten haben außerdem ergeben, dass die Einbrecher häufig am Freitag ans Werk gehen: Da sind – so ihre Vermutung – die Hausbewohner länger mit Wochenendeinkäufen beschäftigt. Aber auch an Wochenenden machen die Kriminellen keine Pause. Volle Briefkästen oder nicht geräumter Schnee in der Garageneinfahrt heißt für die Täter, dass das Zielobjekt über das Wochenende nicht bewohnt wird.

Wie lassen sich Dämmerungseinbrecher aus den eigenen vier Wänden fernhalten? Experten des Kriminalpolizeilichen Beratungsdienstes empfehlen, mehrere Sicherheitstipps zu berücksichtigen.

 

Rollbalken und Zeitschaltuhren

Bei Einfamilienhäusern sollten Terrassentüren durch einbruchshemmende Rollbalken oder Scherengitter geschützt sein. Auch Dachluken sollten nicht vergessen werden.
Blumenspaliere, Wassertonnen oder Gartenmöbel sollten nicht frei vor dem Haus stehen. Sie dienen Einbrechern als „Kletterhilfe“, etwa um auf Simse zu klettern.
Falls die Rückkehr ins Haus erst später erfolgt, sollten in den Abendstunden Zeitschaltuhren verwendet werden, um durch Licht Anwesenheit zu suggerieren. Außerdem, so die Experten, schrecke eine lückenlose Außenbeleuchtung durch Bewegungsmelder Einbrecher ab.
70 Prozent aller Einbrecher lassen sich durch Alarmanlagen in die Flucht schlagen. Die Möglichkeit, das Haus mit einer Alarmanlage zu sichern, sollte zumindest in Erwägung gezogen und von einem Experten geprüft werden.
Für den Fall der Fälle raten Kriminalisten und Versicherungen, wertvolle Bilder, Einrichtungsgegenstände oder teuren Schmuck zu fotografieren und zu beschreiben. Eine Wertsachenliste (die nicht im Haus aufbewahrt werden sollte) sei eine „unerlässliche Hilfe für das Wiederauffinden und die Zuordnung der gestohlenen Gegenstände“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2008)