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Tumulte bei Khatami-Rede an der Uni Wien

(c) Reuters (Caren Firouz)
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Aktivisten von „Stop the bomb“ versuchten, einen Vortrag des iranischen Expräsidenten zu verhindern.

Wien. Aufregung, Lärm und Gerangel prägen das Bild vor dem Kleinen Festsaal der Universität Wien. Etwa 20 Mitglieder des Bündnisses „Stop the bomb“ demonstrieren dort mit Transparenten, Pfeifen und Sirenen gegen einen Vortrag des iranischen Expräsidenten Mohammed Khatami. Sicherheitsleute sichern die Tür zum Festsaal.

Im Inneren hält der Mann, der von 1997 bis 2005 Staatspräsident des Iran war, unbeeindruckt seinen Vortrag. Er redet von globaler Moral und plädiert für eine humane Welt unabhängig von Ideologie oder Religion. Sicherheitskräfte in Zivil stehen an den Wänden. Drei von ihnen halten die Tür des Nebeneingangs zu, denn die Aktivisten versuchen jetzt, sich dort Zugang zu verschaffen. Die Polizei entfernt sie wenig später.

Seit Monaten protestiert „Stop the bomb“ gegen das iranische Atomprogramm. Besonders die Energiegeschäfte der OMV hat die Gruppe im Visier. „Wir wollen die Leute auf die Verbrechen des Mullah-Regimes aufmerksam machen“, sagt Simone Dinah Hartmann, Sprecherin von „Stop the bomb“. „Unter Khatami gab es mehr Menschenrechtsverletzungen als je zuvor.“ Das kümmert Philipp und Igor offenbar nicht. Sie warten auf ihre Vorlesung. Die Aktion finden sie „lustig, aber nicht gerade fürs Lernen förderlich“.

Bei seinen offiziellen Terminen in Wien präsentierte sich Mohammed Khatami einmal mehr als lächelnder Reformer. Dementsprechend lobende Worte für die Dialogbereitschaft des Mullahs fanden Bundespräsident Fischer und Außenministerin Plassnik nach ihren jeweiligen Treffen.

 

Frühstück mit Khatami

In seiner aktiven Karriere hatte Khatami mit seinem Reformkurs keinen anhaltenden Erfolg. Nach einem kurzen Teheraner Frühling, nach einer Annäherung zum Westen, schlug die konservative Elite zurück und machte alle Fortschritte wieder rückgängig. Auch diplomatisch setzte Khatamis Nachfolger, Mahmoud Ahmadinejad, auf Konfrontation. Jetzt wird der Expräsident gedrängt, bei der Wahl 2009 erneut anzutreten.

Doch dazu wollte sich Khatami in Wien nicht äußern. Er blieb bei seinem Lieblingsthema: dem Dialog. Schließlich hatte ihn auch die „Dialoginitiative St.Gabriel“ zu ihrem 35-jährigen Bestehen nach Österreich geladen. Etwas konkreter wurde Khatami bei einem Frühstück mit der österreichisch-iranischen Gesellschaft. Da betonte er nicht nur, wie wichtig der Kontakt zwischen Zivilgesellschaften sei, sondern erteilte dem islamischen Terrorismus eine Absage: Wer die Vernichtung anderer wolle, dem fehle der Bezug zum Glauben.

Für Alexander Gruber von „Stop the bomb“ war es kein erfolgreicher Tag. Er wollte Khatamis Vortrag an der Uni verhindern, doch Khatami sprach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2008)