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Heftiger Wirbel um Gaspreiserhöhung

(c) AP (Daniel Roland)
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Während der Weltmarktpreis ins Bodenlose fällt, steigt er in Österreich stark an.

Wien (ju). Die bevorstehende drastische Erhöhung der Erdgas-Endverbraucherpreise (Spitzenreiter sind Wien mit 21 und Niederösterreich mit 28Prozent Erhöhung) beginnt nun, politische Wellen zu schlagen. Der Grund: International sind die (an den Ölpreis gekoppelten) Erdgaspreise seit Monaten im freien Fall.

An der New Yorker Rohstoffbörse NYMEX wird der Erdgasfuture (der als eine Art Benchmark für den Weltmarktpreis gilt) derzeit so tief gehandelt wie zuletzt im Frühjahr 2004. Seit der Ende Juni erreichten Spitze ist der Erdgaspreis dort um fast 60 Prozent gesunken.

 

Importpreis bald tiefer

Die Preise, die die österreichischen Gasimporteure bezahlen, liegen derzeit freilich noch höher: Sie orientieren sich nach Angaben des Fachverbandes Gas Wärme am drei- bis sechsmonatigen Durchschnitt der Erdölpreise. Während der Gaspreis auf den Rohstoffbörsen bereits zertrümmert ist, zahlen die Importeure nach Eigenangaben also noch hohe Preise.

Das wird sich aber schon in den nächsten Tagen ändern: Anfang November werden die Importpreise den „Peak“ erreichen. Und dann beginnt – zeitverschoben – der vom Weltmarkt vorgezeichnete freie Fall.

 

Vor teurer Heizsaison

Mitten in diesen absehbaren Preissturz hinein kommen die drastischen Preiserhöhungen. Zwar haben Wien und Niederösterreich bereits angekündigt, die gewaltigen Preissteigerungen im Frühjahr zumindest teilweise wieder zurückzunehmen. Das hilft den österreichischen Endverbrauchern freilich wenig: Die hohen Preise würden ausgerechnet während der Heizsaison gelten – und damit den vielen Österreichern, die mit Erdgas heizen, schwer auf der Tasche zu liegen kommen.

Das hat nun den Energieregulator auf den Plan gerufen: Die E-Control, die von einem Ansturm empörter Konsumenten berichtet, hat die Versorgungsunternehmen aufgefordert, die kommenden Erhöhungen sehr schnell wieder rückgängig zu machen. Nach Berechnungen der E-Control sollten die Gasversorger den reinen Energieanteil am Gaspreis schon am 1.Jänner 2009 um 20 Prozent senken. Das würde ungefähr der Senkung der Importpreise bis zu diesem Zeitpunkt entsprechen. „Die von den Ländern kontrollierten Unternehmen sollten nun ihre soziale Verantwortung wahrnehmen“, meinte E-Control-Geschäftsführer Walter Boltz.

In Ostösterreich ist am Montag die politische Diskussion losgebrochen: Die (rote) Arbeiterkammer Niederösterreich forderte den (schwarzen) niederösterreichischen Landeshauptmann auf, die EVN auf eine Rücknahme der für 1.November geplanten drastischen Gaspreiserhöhung zu drängen. Im (roten) Wien war es dagegen der ÖVP-Stadtrat Norbert Walter, der die Gemeinde aufforderte, mit der „Energieabzocke“ Schluss zu machen.

Der Fachverband Gas Wärme verteidigt die eigenartige Preispolitik: Die Vorgangsweise, den Preis zeitverzögert an den Ölpreis zu koppeln und zu „glätten“, sei für die Konsumenten vorteilhaft, weil sie damit nicht so häufigen Preisschwankungen wie etwa bei Benzin ausgesetzt seien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2008)