US-Autoren wie Philip Roth, John Updike, Richard Ford arbeiten sich öffentlich an George W. Bush ab.
Die Verachtung dürfte auf Gegenseitigkeit beruhen. Bedeutende US-Autoren wie Philip Roth oder Richard Ford arbeiten sich in öffentlichen Statements an George W. Bush ab, für den Präsidenten wiederum sind sie Luft. Für Literatur ist offenbar allein seine Frau zuständig. Bush habe „sämtliche republikanischen Werte korrumpiert: effiziente Regierungsführung, gesunder Staatshaushalt, Nichteinmischung in ausländische Angelegenheiten“, sagt der liberal denkende Ford.
Nach den Bildern, die triumphierende US-Soldaten im irakischen Foltergefängnis von Abu Ghraib zeigten, sei es „verdammt schwer, Amerikaner zu sein“, befürchtet der Romancier Jeffrey Eugenides, („Middlesex“, 2002). Er empfinde „Schmach über die Art und Weise, wie Bush uns in diesen Krieg geschickt hat und damit den Antiamerikanern in die Hände spielt“. Für Jonathan Franzen („The Corrections“, 2001), gibt es nach Ablauf zweier Amtsperioden „beängstigende Langzeitschäden, die Bush unserem Land in jeder Hinsicht zugefügt hat – finanziell, umweltpolitisch, diplomatisch, militärisch, rechtlich, kulturell, moralisch“. Und für Altmeister John Updike, der mit seiner „Rabbit“-Romanserie seit Jahrzehnten das gewöhnliche Leben in der Vorstadt schildert, war nicht nur Bush junior, sondern auch der Senior schwer erträglich. Es handle sich um zwei Präsidenten, die geistig klar ihre Grenzen haben: „Intelligenz scheint in diesen Zeiten leider ein Handicap zu sein.“
Roth urteilt wohl am härtesten über seinen Präsidenten: „Er war zu abscheulich, um vergessen zu werden. Es wird noch viel über den Krieg geschrieben werden, darüber, was Bush aus dem Reaganismus gemacht hat. Er ist ja viel weiter gegangen als Reagan. Es heißt, er sei der schlechteste Präsident, den wir je hatten, und ich glaube, das stimmt.“ Am schlimmsten sei der Eintritt in den Irak-Krieg gewesen, ein absoluter Zynismus: „Es ist scheußlich. Ohne historisches Vorbild.“
Präsident Lindbergh paktiert mit Hitler
Die negative Charakterisierung von Bush, der im Jänner 2009 nach acht Jahren abtreten muss, hat inzwischen auch schon Einzug in bedeutende Romane gehalten. In Roths „Exit Ghost“ (2007) wird der Republikaner als „unglaublich beschränkter Dummkopf“ bezeichnet. „Wir hatten ja schon schlechte Präsidenten und haben es überlebt, aber der hier schlägt alles.“ Zuvor hat Roth, dieser fantastische Analytiker des Abgründigen in seiner Gesellschaft, ein Buch geschrieben, in dem in den USA 1942 nicht Roosevelt, sondern Flieger-Ass Charles Lindbergh die Wahl gewinnt. Der Antisemit paktiert in dem beklemmenden Roman „The Plot Against America“ (2004) mit dem NS-Regime. Das Land wird faschistisch, bald folgen Pogrome. Roth wollte sein Werk zwar nicht als Anspielung auf Amerika unter Bush verstanden wissen, das hat aber viele europäische Rezensenten nicht daran gehindert, ebendies zu tun.
Viel weniger plakativ wird auf diese Präsidentschaft im episch breiten Roman „The Lay of the Land“ (2006) angespielt. Richard Fords Held Frank Bascombe, ein Immobilienmakler, der über das Heikle in seinem Metier Bescheid weiß, befindet sich mit 55 in einer Krise. Der Clinton-Fan leidet unter dem Neokonservativismus der USA. Er setzt sich für Al Gore ein. In einer Bar beginnt er eine unwürdige Rauferei mit einem betrunkenen Bush-Fan. Bascombes Mitarbeiter aber, ein tibetischer Immigrant, ist begeistert vom Neoliberalismus. Er träumt davon, seinem Boss das Geschäft abzuknöpfen.
Für den Fall, dass diesmal wieder der Republikaner die Wahl gewinnt, gibt es gleich präventiv Vitriol von einem Schriftsteller, der wenig Wert auf feinsinnige Formulierungen legt. John Grisham, Autor von einem Dutzend fetter Bestseller, hat sich bereits auf John McCain eingeschossen. Er beschreibt ihn als korrupten Öl-Lobbyisten, der Offshorebohrungen in Naturschutzgebieten zulassen wolle. „Geld macht aus einem Arschloch ein richtig fieses Arschloch“, befindet Grisham.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2008)