Halten uns die Herren Molterer, Pröll und Häupl womöglich für bescheuert?
Ein paar Tage vor der Wahl hat sich Finanzminister Molterer hingestellt und treuherzig gemeint, es gebe zwar so etwas wie eine internationale Finanzkrise, aber die österreichischen Banken seien davon „kaum bis gar nicht“ betroffen. Lange ist das noch nicht her.
Jetzt, wo die erste größere Bank wahrscheinlich per Teilverstaatlichung aufgefangen werden muss, lässt der Minister seinen Sprecher ausrichten, die Kommunalkredit, um die es geht, habe „keine Probleme“. Die Bank nehme die Staatshilfe nur als eine Art „Schutzimpfung“, mit der man womöglich „Schlimmeres“ (als „keine Probleme“?) verhindern könne.
Ja, ja. Genau so wird's gewesen sein: Den Kommunalkredit-Leuten war am Sonntag ein bisschen fad. Da haben sie eben beim Finanzminister auf einen Nachmittagskaffee vorbeigeschaut und ihm bei der Gelegenheit juxhalber die Bank angeboten.
Das wird in nächster Zeit übrigens öfters passieren. Eine Reihe von österreichischen Banken hat nämlich ähnliche Nicht-Probleme. Und die dramatische Krise, in die zwei wichtige Märkte für heimische Banken – Ungarn und Ukraine – neulich geschlittert sind, wird diese Nicht-Probleme noch ein wenig nichtiger machen.
Es wird also noch genug Gelegenheit geben, uns zu erzählen, dass das 100-Milliarden-Rettungspaket – das größte in der hiesigen Wirtschaftsgeschichte – eigentlich gar nicht notwendig war. Dass die Adressaten aber immerhin generös „überlegen“, ob sie das „in Anspruch nehmen“ sollen.
Und jetzt die bange Frage: Glauben die im Finanzministerium diesen Unsinn wirklich? Oder glauben sie nur, dass wir das glauben? Anders gesagt: halten die uns für völlig bescheuert?
Das tun offenbar übrigens auch die Chefs der Energieversorgungsunternehmen EVN und Wien Energie. Die beiden im Einflussbereich des Landes Niederösterreich (dominierend) und der Gemeinde Wien (zur Gänze) stehenden Versorger werden nämlich demnächst die Endverbraucherpreise für Erdgas um 28 bzw. 21Prozent erhöhen. Weil der Gaspreis gestiegen ist.
Und wie: An den Rohstoffbörsen ist der Erdgaspreis seit Anfang Juli in Dollar um fast 60 Prozent gesunken. In Euro beträgt der Rückgang etwas weniger als 50 Prozent.
Aber immerhin haben beide bereits angekündigt, dass sie den Gaspreis nach dem Ende der Heizsaison wieder zurücknehmen könnten.
So ist das halt bei Quasimonopolen. Die Herren Pröll (Erwin) und Häupl, in deren Einflussbereich die krasse Abzockaktion fällt, werden aber verstehen, dass wir ziemlich laut auflachen werden, wenn sie nächstens wieder das Wort „Inflationsbekämpfung“ in den Mund nehmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2008)