Welsche Mander, es war an der Zeit!

Die Separatisten toben: Die SVP, Sammelpartei der deutschen Südtiroler, hält ihre Absolute nur mit Stimmen italienischer Wähler. Na und?

Nicht das Ergebnis ist das Erdbeben, sondern seine Ursache: Die Volkspartei SVP geht im heiligen Land Südtirol eine „unheilige“ Allianz mit den „Welschen“ ein. Voller Panik vor einem Verlust der absoluten Mehrheit warb sie vor der Provinzwahl aktiv um Stimmen der Italiener. Eine kühne Volte für eine Partei, die sich als Sammelbecken der Deutschsprachigen definiert. Ob Bauer oder Arbeiter, Schütze oder Feministin – alle müssen zusammenhalten, gegen Rom und für mehr Autonomie.

Das ist auch gelungen, vielleicht besser als in jeder anderen autonomen Region dieser Welt. Delegationen aus Tibet, Kurdistan und dem Kosovo bestaunen das höchst gedeihliche Zusammenleben in einer der reichsten Regionen Italiens. Warum also sollten die Italiener nicht die Partei wählen, der auch sie ihren Wohlstand mitverdanken? Zumal Berlusconis Mediendiktatur und die rabiate Lega Nord kaum attraktive Alternativen sind.

Gut, dass die Grenzen verschwimmen. Noch besser, wenn die Südtiroler bald der Apartheid an den Schulen ein Ende bereiten und Zweisprachigkeit als Chance erkennen. Auch bei der „Selbstbestimmung“ geht es nicht mehr um den Überlebenskampf einer verfolgten Minderheit, sondern um den Kampf mündiger Bürger gegen die absolutistisch agierende SVP. Da hätten rechte und grüne Opposition genug gemein. Die Freiheitlichen sollten, statt „Verrat“ zu schreien, ihre Stärke für neue Allianzen nutzen. Südtirol stürzt nicht ein. Es ist nur ein wenig normaler geworden. (Bericht: S. 5)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2008)

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