Die Immofinanz muss jetzt rasch gerettet werden – bei einer Insolvenz würden zu viele kleine Leute um ihr Geld umfallen.
Wenn sich zwei Wochen nach dem Rauswurf des Vorstandsvorsitzenden auch noch die Aufsichtsratsspitze eines wackelnden Immobilienunternehmens auf gut Wienerisch „über die Häuser haut“, dann ist für die Aktionäre wohl Feuer am Dach. „Die Aktionäre“ sind in diesem Fall in sehr hohem Ausmaß nicht irgendwelche „G'stopften“, sondern kleine Leute, denen von verantwortungslosen Beratern „so gut wie mündelsichere“ Immofinanz-Aktien als Sparbuchersatz aufgeschwatzt wurden. Und die, auch wenn sie im Extremfall ohnehin schon bis zu 95 Prozent ihres Geldes verloren haben, nun verständlicherweise nervös werden, wenn sie Wortfetzen wie „Liquidationswert“ oder „Gefahr, dass das halbe Grundkapital aufgezehrt wird“ hören.
Sie haben es verdient, dass jetzt reiner Tisch gemacht wird. Und zwar schnell. Der Scherbenhaufen, den der frühere Vorstand unter den wohlwollenden Blicken der früheren Aufsichtsräte angerichtet hat, muss umgehend weggekehrt werden. Eine Insolvenz ist in diesem wohl auch vom Versagen der Kontrollbehörden geprägten Fall weder für die (vielfach falsch beratenen) Aktionäre noch für die finanzierenden Banken eine wirkliche Option. Also muss man alles tun, um den schlingernden Kahn rasch wieder flottzubekommen. Der „Neue“ an der Spitze geht die Sache, so weit man das von außen beurteilen kann, mit Elan an. Aber jetzt müssen alle Register gezogen werden. Damit das Feuer vom Dach nicht übergreift. (Bericht: S.15)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2008)