Mann vor U-Bahn gestoßen: Täter auf der Flucht

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)
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Der Mann wurde schwer verletzt. Weiterer Wiener Linien-Vorfall: „Sieg Heil“-Sager des Straßenbahn-Fahrers als Hit auf YouTube.

Wien. Boban P. kann sich das nicht erklären. Warum ihn ein Mann, den er flüchtig aus einem Wettcafé kannte, am Montagabend völlig unvermittelt in der Station Karlsplatz vor einen einfahrenden U1-Zug gestoßen hat, ist ihm völlig unklar, sagte er zur Polizei. P. wurde von der U-Bahn erfasst und überstand den Unfall vergleichsweise glimpflich: Ihm wurde eine Zehe abgetrennt, eine weitere ist gebrochen, die Ärzte stellten schwere Prellungen des Brustkorbs und Rissquetschwunden fest.

Der 52-Jährige wurde von der Feuerwehr geborgen, der Täter konnte flüchten. Wie auf Bildern der Überwachungskameras zu sehen ist, unterhielten sich die beiden Männer bei der U1-Station Richtung Reumannplatz, bevor der unbekannte Mann Boban P. auf die Gleise stieß. Dank der Videoaufzeichnung gibt es relativ scharfe Bilder des mutmaßlichen Täters, mit denen die Polizei nun nach ihm fahndet.

Auch ohne diesen Zwischenfall war der Montag ein turbulenter Tag für die „Wiener Linien“. Wie berichtet, wurde ein Straßenbahnfahrer entlassen, der bei der letzten Ringrundfahrt der 1er-Linie am Samstag eine Abschiedsrede mit den Worten „Sieg Heil“ geschlossen hatte. Mehrere Fahrgäste hatten die Durchsage mit (Handy-)Kameras aufgezeichnet.

„Sieg Heil“: 60.000-mal gesehen

Diese Kurzfilme haben dem Straßenbahnfahrer kurzzeitige Berühmtheit auf dem Internetportal YouTube verschafft: Über 58.000-mal wurde ein Video mit dem „Sieg Heil“-Sager angesehen, ehe es von YouTube „aus urheberrechtlichen Bedenken“ aus dem Netz genommen wurde. Mittlerweile haben einige andere Fahrgäste ihre Mitschnitte ins Netz gestellt, die am Dienstag jeweils über 3000-mal angesehen wurden. Damit wurde die Straßenbahnfahrt öfter auf YouTube besucht als etwa die erste Pressekonferenz nach dem Tod Jörg Haiders, die bei 53.700 Klicks hält.

Die Staatsanwaltschaft Wien zählt offenbar nicht zu den YouTube-Usern. Sobald man das Video habe, heißt es bei der Staatsanwaltschaft, werde man prüfen, ob bei der Durchsage der Tatbestand der nationalsozialistischen Wiederbetätigung bestehe. Das Strafausmaß liegt bei bis zu zehn Jahren Haft.

Auf den Videos ist zu sehen, wie sich der Fahrer in den „Führerstand“ (wie er sagt) setzt, ehe er seine Rede („Wir umrunden ein letztes Mal den Wiener Ring... Viele historische Ereignisse haben hier stattgefunden. Sieg Heil.“) hält. Von empörten Fahrgästen darauf angesprochen – andere reagierten amüsiert –, meinte er: „Versteht's ihr keinen Spaß?“ Ob der Fahrer, wie von Fahrgästen vermutet, angetrunken war, „wissen wir nicht“, sagt eine Sprecherin der Wiener Linien. „Da er wegen seiner Aussagen entlassen wurde, ist die Sache für uns erledigt.“

Auf einen Blick

Ein Wiener Straßenbahnfahrer hatte bei der letzten Fahrt mit der Ring-Linie 1 seine Rede mit den Worten „Sieg Heil“geschlossen. Fahrgäste filmten die Rede mit und stellten sie auf „YouTube“, wo sie über 60.000 Mal aufgerufen wurde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2008)

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