Der Skywalk zwischen Spittelau und Döbling: Nicht nur hier kommt es zu Kollisionen zwischen Fußgängern und Radfahrern. Wie die beiden Verkehrsgruppen aneinander geraten. Und warum.
Wien. Der Radfahrer flitzt mit hohem Tempo die Guneschgasse in Döbling hinunter, den „Skywalk“ entlang. Der Mutter gelingt es gerade noch, ihr Kind an der Hand zu packen und beiseite zu zerren. Der Gang über den „Skywalk“, die Brücke zwischen Wien-Döbling und der U-Bahn-Station Spittelau, kann zu einer ziemlichen Herausforderung werden.
Denn: Die Millionenkonstruktion ist Fußgänger- und Radfahrerbrücke zugleich. Und Bodenmarkierungen, die die Verkehrsfläche aufteilen, fehlen.
Radfahrer sind hier, wie ein Lokalaugenschein zeigt, teilweise viel zu schnell unterwegs. Etwaige Zurufe von Passanten bleiben ungehört. Häufig haben Radfahrer Kopfhörer in den Ohren. Und die Fußgänger? Die müssen auf der Hut sein. Es ist eher die Regel denn die Ausnahme, dass sie nur haarscharf Zwischenfällen entgehen.
Fußgänger springen zur Seite, drehen sich, verschreckt, mehrmals um. So auch Hanna Thoma: „Ich habe hier wirklich schon gefährliche Situationen erlebt“, sagt die 61-Jährige. Sie weiß, wovon sie spricht, denn ihr bleibt der tägliche Gang über den „Skywalk“ nicht erspart. Für Paul Vanovertveld (36) ist die Rücksichtslosigkeit der Radfahrer das Problem: „Es muss beiden Verkehrsteilnehmern klar sein, dass hier Radfahrer wie Fußgänger sicher zum anderen Ende der Brücke wollen.“ Der 28-jährige Radfahrer Urs Bitterling verteidigt seinesgleichen. Er habe zwar noch niemanden angefahren, gibt aber zu: „Die Situation hier ist nicht optimal. Viele Fußgänger wissen nicht, dass auch Radfahrer diesen Weg benutzen.“ Der Schluss beider Gruppen: Ein Radfahrstreifen wäre eine Möglichkeit, gefährliche Situationen einzudämmen.
„Für Parkplätze gestorben“
Mangelnde Beschilderung, fehlende Bodenmarkierungen, hohe Frequenz von Verkehrsteilnehmern – die Probleme auf dem „Skywalk“ sind der Stadt Wien wohlbekannt: „Aus Erfahrung wissen wir jedoch, dass sich die Leute nicht an Markierungen halten“, erklärt Ursula Eripek, die Sprecherin von Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (SPÖ). „Und ein Schild, das zum langsamen Fahren auffordert, nimmt leider niemand ernst“, fügt sie hinzu. Kurt Wurscher, Sprecher der MA29 (Brückenbau und Grundbau), meint: „An gewissen Stellen hoffen wir einfach, dass sich Verkehrsströme selbst regulieren. Aus Pilotprojekten in Holland wissen wir, dass das normalerweise ganz gut funktioniert.“ Dennoch schließt die Stadt nicht aus, den „Skywalk“ zu adaptieren.
Das Zusammenspannen von Fußgängern und Radfahrern ist Christoph Chorherr, Gemeinderat der Grünen, ein Dorn im Auge: „Unfälle sind vorprogrammiert.“ Chorherr verweist auf den jüngsten tödlichen Unfall eines Radfahrers in der Leopoldstadt. Auch hier sei der Radweg auf den Gehsteig gepinselt worden, „statt ihn auf die Fahrbahn zu legen. Da hätten Parkplätze geopfert werden müssen. Der Radfahrer starb für Parkplätze.“
Auf einen Blick
■Kollisionen: 2007 gab es in Wien 74 von der Polizei gezählte Zusammenstöße zwischen Fußgängern und Radfahrern. 2002 waren es 72. In Österreich wurden 2007 318 Kollisionen gezählt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2008)