„Scotty mobil“: Neuer, verspielter Routenplaner

Routenplanung
Routenplanung(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Fahrplan via Mobiltelefon: Funktioniert das? Ja. Braucht man das? Na ja. Der Handy-Routenplaner der ÖBB im Test.

Wien. Das Handy hat nicht nachgefragt und das neu heruntergeladene Programm gleich unter „Spiele“ gespeichert. Was zwar nicht im Sinne der ÖBB, Anbieter des neuen Handy-Routenplaners sein dürfte, die ihren „Scotty mobil“ eher als Fahrplanservice verstehen. Aber das Handy hat schon recht.

Denn so ein mobiler Routenplaner hat durchaus etwas Verspieltes an sich. Und das kostet zumindest bei den ersten Versuchen Zeit. Wer den Internet-Routenplaner „Scotty“, mit dem pro Jahr 100 Millionen Fahrplanauskünfte abgefragt werden, auch am Handy nutzen will, muss auf der ÖBB-Homepage (siehe Infokasten) seine Nummer angeben. Nach wenigen Sekunden kommt ein SMS mit einem Link, über den „Scotty“ heruntergeladen wird. Voraussetzung dafür ist, man ahnt es, ein internettaugliches Mobiltelefon. „Scotty“ an sich kostet nichts, allerdings fallen, je nach Mobilfunkanbieter, Kosten für die Internetnutzung an.

Das Startmenü von „Scotty mobil“ in ÖBB-Rot wirkt reduziert-übersichtlich, was angesichts der kleinen Handydisplays Sinn hat. Klickt man den ersten Menüpunkt „Fahrplanauskunft“ an – wer öfter mit dem Handy im Netz ist, wird sich bei der Handhabung leichter tun –, wird man aufgefordert, Start- und Zielort (wie bei einem SMS) einzugeben. Die Schrift ist dabei erstaunlich winzig, erst später wird man den Punkt „Einstellungen“ finden und die Schrift vergrößern.

Scotty, „take me home“

„Scotty“ lädt einige Sekunden, dann muss man Datum und Abfahrtszeit eingeben. Oder man drückt auf „Jetzt“ und bekommt die nächste Verbindung von A nach B. Wobei A und B irgendwo in Österreich liegen können: Der Routenplaner kennt sämtliche öffentliche Verkehrsmittel von Zug über (Post-)Bus bis Straßenbahn wie auch (angeblich) sämtliche Straßen bis in die tiefste Pampa. Wenn auch nicht immer beim ersten Versuch. Gibt man etwa „Graz Hauptplatz“ ein, schlägt er mehrere Hauptplätze in Städten mit „G“ von Gramatneusiedl bis Gratkorn vor. Wieder muss man aus der Liste den richtigen Ort anklicken, was den Suchprozess ein wenig in die Länge zieht.

Die Suchergebnisse kommen durchaus schnell und klingen zumeist plausibel, manchmal ein wenig seltsam. Um etwa von Wien-Landstraße nach Graz zu kommen, schlägt „Scotty mobil“ eine im realen Leben kaum genutzte Route mit S-Bahn und zwei Postbussen vor, Umstiegsort Gratkorn Friedhof. Immerhin kommt als zweite Option der direkte Zug vom Südbahnhof. Den Fahrplan kann man speichern und – großer Pluspunkt – später (offline, also gratis) ansehen.

Nett ist der Menüpunkt „Take me home“. Wer unter „Einstellungen“ seine Wohnadresse speichert, kann sich mit einem Klick auf „Take me home“ von jeder beliebigen Adresse den schnellsten Heimweg liefern lassen. Wirklich hübsch und erstaunlich umfangreich ist der Menüpunkt „Karten“ geworden, den man als Stadtplan nutzen kann. Auch hier gibt man die gesuchte Adresse ein und bekommt einen Ministadtplanausschnitt. Auf dem zwar viele Straßennamen fehlen, dafür kann man sich Lokale oder Parkplätze in der Nähe anzeigen lassen, die mit bunten Icons markiert werden. Klickt man auf diese, bekommt man sogar den (Lokal-)Namen. Aktuell ist die Liste nicht unbedingt. Sucht man nach Kultureinrichtungen in MQ-Nähe, schlägt „Scotty“ das „Tabakmuseum“ vor, das es seit 2003 nicht mehr gibt.

Braucht man all das wirklich? Jein. Für Notfälle kann eine Fahrplansuche am Handy durchaus praktisch sein (sofern man am Suchort Empfang hat). Museen oder Geschäfte mit „Scotty“ zu suchen ist zwar ganz lustig, aber nicht wirklich notwendig. Wie gesagt: Zu finden im Programmpunkt „Spiele“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2008)

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