Das Topsegment trotzt der Krise

Wohnluxus bleibt teuer – die Preise steigen aber nicht mehr ins Uferlose.

Die Finanzkrise macht auch vor den Superreichen nicht halt. Russische Oligarchen zittern um ihre Imperien („Die Presse“ berichtete). Und auch so mancher US-Milliardär – wie zuletzt Kirk Kerkorian – sorgte mit spektakulären Verlusten am Aktienmarkt für Schlagzeilen. Weil fast jeder aus dem Geldadel in irgendeiner Weise an den Börsen engagiert ist, musste wohl auch fast jeder Verluste einstecken.

Was bedeutet das für den Markt der Luxusimmobilien? Das absolute Topsegment ist am wenigsten betroffen, darüber sind sich Brancheninsider einig. Wer dort mitmischt, muss auch jetzt nicht wirklich sparen. Und weil solche Objekte kaum fremdfinanziert werden, spielt auch die Kreditverknappung keine Rolle. Aber: „Die Preise steigen nicht mehr ins Uferlose, jetzt ist eher eine Seitwärtsbewegung zu beobachten“, so Peter Marschall, Geschäftsführer von Marschall Immobilien.

Regionale Unterschiede

Deutlich größer seien die Auswirkungen auf die zweitbesten Lagen, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Stark betroffen seien etwa jene in London, Barcelona oder New York. Auch in den Top-Ferienresorts sei eine Verlangsamung spürbar – die Suche nach dem luxuriösen Zweit-, Dritt- oder Viertwohnsitz hat jetzt wohl nicht gerade allerhöchste Priorität. „In Wien merkt man dagegen nicht viel“, so Marschall.

Das bestätigt auch Horst Schwarzenberg von Colliers Columbus: „Das Preisniveau bei Topobjekten bleibt gleich, es gibt weiterhin Nachfrage, und das Angebot ist nicht größer geworden.“ Im Gegenteil: „Manche, die vorher einen Verkauf überlegt haben, zögern jetzt.“ Ihr Geld in einer Immobilie veranlagt zu wissen, erscheine ihnen beruhigender, als es auf die Bank zu tragen. Aus demselben Grund steige – in guten Lagen – auch die Nachfrage nach Wohnungen zum Vermieten.

Zurückhaltung ortet Schwarzenberg dagegen bei den Mietern von Luxuswohnungen. „Mit dem Wechsel in eine größere, teurere Wohnung wartet jetzt so mancher lieber noch zu. Da spielt wohl die Sorge mit, ob man seinen gut dotierten Job in einem Jahr noch haben wird und sich die höhere Miete dann noch leisten kann.“ Die internationale Klientel betreffe das weniger. Denn da zahlt oft der Arbeitgeber die Miete. Und Konzerne oder diplomatische Vertretungen haben dafür sichtlich immer noch genug Budget.

Eine Wohnung in Wien brauchen viele aus beruflichen Gründen. Salzburg zieht zwar ebenfalls ein internationales Publikum an, sich hier niederzulassen, hat aber meist private Motive. „Ski fahren oder Kultur sind oft die ersten Anknüpfungspunkte“, so Berndt Kretschmer, Prokurist bei Stiller & Hohla Immobilien. Im Lauf der Zeit entstehe dann der Wunsch nach einem Domizil – oft mit der Absicht, sich irgendwann auf Dauer hier niederzulassen. Nachfrage gebe es etwa von internationalen Bankern, berichtet Kretschmer, der in der „Luxusklasse“ noch keinerlei Auswirkungen der Krise festgestellt hat. So sei für wirklich reiche Briten Österreich nach wie vor ein Billigland: „In London kosten – trotz des Preisrückgangs – Wohnungen in City-Lagen immer noch drei- bis viermal soviel.“

Frage der Erreichbarkeit

Abwartend verhalten sich dagegen britische „Kleininvestoren“ – ihr Run auf Ferienwohnungen, vor allem im Pinzgau, hat deutlich nachgelassen. „Da entstehen aber neue Käuferschichten aus Holland, Skandinavien und den neuen EU-Ländern. Und auch Deutsche kaufen wieder.“ Letztere habe es jahrelang eher in den sonnigen Süden gezogen; aber weil Fliegen immer teurer wird, wissen sie ein mit dem Auto erreichbares Urlaubsdomizil wieder zu schätzen.

Wie überhaupt so manche südliche Trend-Feriendestination die Krise der Airlines noch stark zu spüren bekommen werde: „Wenn Billigfluglinien Verbindungen einstellen, sind viele Orte nur mehr schwer erreichbar.“ Dadurch könnten etliche tolle Ferienimmobilien schlagartig zum Ladenhüter werden. Und Ferienregionen mit weniger Sonnenstunden, aber guter Verkehrsanbindung werden wohl im Kurs steigen.

AUF EINEN BLICK

Am geringsten sind die Aus-wirkungen der Krise im absoluten Topsegment. Darunter sind sie stärker spürbar.

■Regional gibt es große Unter-schiede. Stark betroffen sind etwa London und Barcelona, Wien dagegen kaum.

Bei Ferienimmobilien ist die Nachfrage gedämpft. Die Krise der Airlines könnte sich hier auswirken – Erreichbarkeit wird zum Kriterium.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2008)

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