Schiele: Der Tod packte zu

(c) Leopold Museum
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In der Schiele-Datenbank im Leopold-Museum lassen sich Biografie und Ende in jeder Phase nachvollziehen. Eine berührende Ausstellung zum 90.Todestag.

Klimt und Schiele, Maler-Götter der Moderne, starben rasch und früh. Im schummrig beleuchteten Saal des Leopold-Museums fällt der Blick zuerst auf ein Liebespaar. Es ist Schieles letztes Ölbild. Die Spanische Grippe, eine Pandemie, wie sie auch heute immer wieder erwartet wird, raffte innerhalb weniger Tage erst des Künstlers Ehefrau Edith, im sechsten Monat schwanger, hinweg, dann Schiele selbst. Die Öffentlichkeit hatte in diesem Jahr 1918 andere Sorgen.

Der Erste Weltkrieg ging zu Ende. Die Habsburgermonarchie zerbrach, die Republik wurde ausgerufen, die Menschen hungerten. „Klimt, hörte ich gestern, wurde vom Schlag getroffen und befindet sich sehr krank“, schreibt Schiele am 19.1. 1918. Die letzten Wochen verbringt Klimt, kahl geschoren, im Wasserbett im AKH. Am 6.Februar ist das Leiden des 56-Jährigen zu Ende. Schiele zeichnet ihn auf dem Totenbett, abgezehrt, dennoch markant. Für den Künstler Schiele ließ sich das Jahr 1918 bestens an. Die unglaubliche Egozentrik, aber auch Vitalität dieses Mannes mag man daran sehen, dass er, während Europa in Trümmer sank, nur eine Idee hatte: Die Kunst neu zu ordnen, quasi als Erbe Klimts. Die 49.Ausstellung der Secession im März 1918 zeigt 19 Schiele-Gemälde und 30 Zeichnungen, der Erfolg ist groß, leider nagt die Inflation am stattlichen Erlös von fast 16.000 Kronen.

Schiele hält Sitzungen ab, plant eine neue Kunsthalle. Doch es gibt noch andere starke Persönlichkeiten: Oskar Kokoschka, im Krieg schwer verwundet, schreibt aus einem Dresdner Sanatorium, er gebe keine Bilder in die Secession: Die „Gesinnung der Kreise, die sich dort mit Kunst beschäftigen“, passt dem junge Wilden nicht. Nach der Ausstellung tut Schiele Dienst im Heeresmuseum.

Feuchtes Atelier, keine Kohle

Den Sommer 1918 verbringt er in Oberwaltersdorf. Edith ist einem Sanatorium in Ungarn. In wenigen Monaten verzeichnet Schiele den Besuch von 180 Modellen in seinem Atelier. Auf einem der letzten Fotos sieht der Endzwanziger aus wie ein Sechziger. Der Blick aber ist ungetrübt, frech und forschend. Wie auf anderen Fotos, scheint Schiele nie zu vergessen, wer er ist. Pose ist wichtig. Das Atelier ist feucht und kalt.

Schiele bittet den Industriellen Carl Reininghaus um Kohle. Am 27.10. 1918 schreibt er seiner Mutter, seine Frau sei vor acht Tagen „schwer und lebensgefährlich erkrankt“. Einen Tag später ist sie tot, und am 31.10. um ein Uhr früh folgt ihr der Maler. In der Schiele-Datenbank im Leopold-Museum lassen sich Biografie und Ende in jeder Phase nachvollziehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2008)

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