Meeresforscher und Ozeanograf Jacques Piccard starb mit 86 Jahren in Genf.
Der Vater, Physikprofessor, wurde durch seine Stratosphärenflüge bekannt. Der Sohn stieg in die Tiefen des Meeres: „Als Piccard und Dostojewski im Fesselballon über Sizilien schwebten“, sang André Heller, in seiner Jugend ein Spezialist für absurde Paarungen.
Vielleicht dachte er an das Existenzielle, das den Literaten und den Forscher verbindet. Auch Jacques Piccards Sohn ist berühmt: Der 50-jährige Bertrand Piccard, Abenteurer, Facharzt für Psychiatrie, war jüngst in Wien und erzählte der „Presse“ von der erstmaligen Umrundung der Erde, die er gemeinsam mit dem Briten Brian Jones 1999 bewältigte. 2011 will er nun mit einem Solarflugzeug um die Welt fliegen. Eine unternehmungslustige Familie.
Jacques Piccard wurde 1922 in Brüssel geboren. 1932 erlebte er, wie sein Vater in einem Freiballon mit luftdichter Kapsel in die Weltrekordhöhe von 16.940 Metern flog. Jacques erkundete den Marianengraben. Mit dem U-Boot „Trieste“, das sein Vater konstruiert hatte, erreichten Jacques und der US-Marineleutnant Don Walsh eine Tiefe von fast 11.000 Metern. Auf ihnen lastete ein Wasserdruck von 170.000 Tonnen.
Auf der Industriemesse in Hannover 1960 führten Jacques und sein Vater ihre Tauchkugel vor. Für die Schweizer Landesausstellung „Expo 1964“ konstruierte Piccard den „Mesoskaphen“, das erste Touristen-Unterseeboot der Welt, das während und nach der Expo auf mehr als tausend Tauchfahrten rund 33.000 Passagiere auf den Grund des Genfer Sees führte.
1969 verbrachte Jacques Piccard mit anderen Wissenschaftlern einen Monat unter Wasser, um den Golfstrom von Florida bis Neu-Schottland zu untersuchen. Piccard war jedoch enttäuscht: Es gab viel weniger Fische und andere Meerestiere als er erwartet hatte. Trotzdem schrieb er das Buch „Tauchfahrt“ im Golfstrom. Zu seinem 85. Geburtstag meinte Piccard im Interview, dass er gerne auch Astronaut geworden wäre: „Unsere Leistung war eher, dass wir gezeigt haben: Jetzt können wir im Meer überallhin“. Piccards „Stiftung zum Studium und zum Schutz der Meere und Seen“ dient vor allem dem Umweltschutz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2008)