Directors' Dealings: Pessimisten in der Chefetage

(c) Reuters (Heinz-Peter Baader)
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Österreichische Manager sehen die Zukunft der eigenen Unternehmen kritischer als ihre deutschen Kollegen.

WIEN. Österreichs Manager dürften ihren eigenen Unternehmen momentan skeptischer gegenüberstehen als ihre deutschen Kollegen. Das zeigt ein Vergleich der Aktiengeschäfte von Führungskräften börsennotierter Unternehmen, die der Börsenaufsicht gemeldet werden müssen – in Deutschland an die BaFin, in Österreich an die Finanzmarktaufsicht (FMA).

Zwar haben heimische Führungskräfte zwischen 22.September und 26. Oktober 2008 mehr als doppelt so viel Geld in Anteile am eigenen Unternehmen investiert als im Vergleichszeitraum 2007. Der jüngste Kursrutsch an den Weltbörsen scheint jedoch auch Österreichs Insidern die Kauflust verdorben zu haben: Das Gesamtvolumen ihrer Aktienkäufe ging in den letzten beiden Oktoberwochen stark zurück.

In der Woche vom 19.Oktober kauften Österreichs Manager nur noch für 920.000 Euro zu – nur unwesentlich mehr als in der gleichen Woche des Vorjahres. Damals kosteten die meisten Aktien allerdings noch mehr als doppelt so viel. „Wir haben nach dem Kurseinbruch Anfang des Jahres massive Zukäufe von Insidern gesehen“, sagt Josef Zechner, Professor für Finanzen an der Wirtschaftsuniversität Wien. „Nach dem neuerlichen Absturz im Oktober scheinen diese ausgeblieben zu sein.“

Deutsche im Kaufrausch

Ganz anders die Situation in Deutschland: Im Nachbarland scheinen die Spitzenkräfte angesichts der Talfahrt des DAX in einen regelrechten Kaufrausch verfallen zu sein, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Zusammen mit der Universität Aachen und der Commerzbank errechnet die deutsche Zeitung alle zwei Wochen aus den Geschäften deutscher Spitzenkräfte das „Insider-Barometer“. Derzeit liegt es bei 191 Punkten – in der Nähe seines Allzeithochs. Experten werten dies als Zeichen des „extremen Optimismus“ („Handelsblatt“) von Unternehmensinsidern hinsichtlich des Kurspotenzials der Aktien ihrer Firmen. Sehen Österreichs Manager die Zukunft ihrer Unternehmen also in einem düsteren Licht? Oder halten sie ihre Kauforder noch zurück, in Erwartung kurzzeitig weiter fallender Kurse? Fundierte Antworten sind nicht zu bekommen. „Leider beschäftigt sich in Österreich kaum jemand mit der Auswertung von Insidergeschäften“, bedauert Zechner. Auch FMA-Sprecher Klaus Grubelnik winkt ab: „Die FMA veröffentlicht die Geschäfte nur. Wir interpretieren sie nicht.“

auf einen Blick

Die Aktienkurse fallen ins Bodenlose. Ein günstiger Zeitpunkt, um sich mit Aktien einzudecken. Vor allem, wenn man den wahren Wert eines Unternehmens kennt. Diese Einblicke haben die Topmanager der Konzerne. Sie müssen Aktienkäufe melden und veröffentlichen.

Deutsche Manager befinden sich derzeit in einem regelrechten Kaufrausch bei eigenen Aktien, österreichische hingegen nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2008)

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