Constantia: Turnauer-Erbin will Petrikovics klagen

(c) APA (Georg Hochmuth)
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Christine de Castelbajac fühlt sich „falsch informiert“ und erhebt Vorwürfe gegen Ex-Immofinanz-Chef.

Wien. Für den früheren Vorstandschef von Immofinanz/Immoeast und Constantia Privatbank, Karl Petrikovics, könnte es eng werden: Am Dienstag hat der Aufsichtsrat der Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag) auf der Suche nach den „verschwundenen“ 520 Mio. Euro der Immoeast festgestellt, Petrikovics selbst habe Millionentransaktionen über Ibag-Konten ohne Wissen der zuständigen Organe abgewickelt. Und aus der Turnauer-Gruppe verlautete, Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac habe ihre Anwälte aufgefordert, rechtliche Schritte gegen Petrikovics zu prüfen.

Castelbajac-Sprecher Alfred Autischer sagte zur „Presse“, die Konzernchefin sei von dem, was sie in den vergangenen Tagen erfahren habe, „tief betroffen“. Sie sei jahrelang falsch oder gar nicht informiert worden– und jetzt an schneller Aufklärung interessiert.

Castelbajac war in ihrer Gruppe (Constantia Privatbank, Constantia Packaging) nicht operativ tätig, saß allerdings im Aufsichtsrat der von Petrikovics geleiteten Privatbank. Auch im Aufsichtsrat der Bank sei sie über die jetzt hochkommenden Geschäfte nicht informiert worden, so Autischer.

Castelbajac fühlt sich nach Angaben ihres Sprechers „neben den Aktionären der Immofinanz“ als Hauptgeschädigte der Affäre. Tatsächlich musste sie die Bank vor wenigen Wochen um einen Euro an ein Bankenkonsortium abgeben (in der Bank übernimmt am kommenden Freitag Ex-FMA-Chef Andreas Grünbichler das Kommando).

Ihrer holländischen Holding Constantia Packaging B.V. verbleibt im Wesentlichen noch die österreichische Industriegruppe Constantia Packaging. Aber auch hier gibt es Probleme. Wie berichtet haftet die Holding für eine 512-Mio.-Euro-Forderung der Immoeast. Zudem besitzt der Investor Rudolf Fries für sein Immofinanz-Aktienpaket Put-Optionen gegenüber der Constantia Packaging B. V., die sich mit einem dreistelligen Millionenbetrag niederschlagen könnten. Bei der Holding geht man allerdings davon aus, dass die entsprechenden Verträge rechtswidrig seien.

Alleingang des Immofinanz-Chefs

Für die 512-Mio.-Euro-Forderung der Immoeast an die (formalrechtlich nicht zur Gruppe gehörende) Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag) sieht es generell schlecht aus: Der Aufsichtsrat der Ibag hat am Dienstag festgestellt, dass die Millionenüberweisungen (es geht, wie berichtet, um eine angeblich von der Ibag emittierte 900-Mio.-Euro-Anleihe) regelwidrig zustande gekommen seien. Für den Aufsichtsrat der Gesellschaft „existieren diese Geschäfte nicht“, hieß es gestern.

Die Kontenbewegungen seien von Petrikovics, „ohne Wissen der Ibag-Organe“ durchgeführt worden, hieß es. Petrikovics wies in der Vergangenheit alle Vorwürfe zurück. Sollten die Vorwürfe gegen ihn stimmen, hätte Petrikovics über Konten eines Unternehmens verfügt, das mit der Immofinanz seinen Angaben zufolge „absolut nichts zu tun“ hat. Gerhard Pauser, der Vorstand der mit nur wenigen tausend Euro kapitalisierten AG, der offenbar nicht gemerkt hatte, dass hunderte Millionen (möglicherweise für nicht genehmigte Aktienrückkäufe) über die Konten „seiner“ Firma geflossen sind, trat gestern zurück.

Die Holding hat ihren Anteil an der börsennotierten Constantia Packaging von 80 auf mehr als 90 Prozent erhöht. Autischer sagte, es habe sich um die Einlösung von Call-Optionen gehandelt. Ein Rückzug von der Börse („Squeeze Out“) sei nicht geplant.

AUF EINEN BLICK

Karl Petrikovics, Ex-Chef der Immofinanz, der Immoeast und der Constantia Privatbank, gerät in Bedrängnis: Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac, eine der Hauptbetroffenen der Immofinanz-Affäre, fühlt sich „falsch informiert“ und überlegt Klagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2008)

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