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Kaliforniens Schwule klagen gegen Eheverbot

Bei US-Wahl wurde auch Homo-Ehe abgeschafft.

SAN FRANCISCO/WIEN (db/ag). Kaliforniens Lesben und Schwule wehren sich. Bereits am Tag nach der Wahl reichten sowohl mehrere Bürgerrechtsbewegungen als auch die Städte San Francisco und Los Angeles beim Obersten Gerichtshof von Kalifornien Klage ein. Grund ist „Proposition 8“, ein Referendum, das die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren verbieten soll. 52 Prozent der Kalifornier stimmten dafür. Damit wären gleichgeschlechtliche Ehen nur noch in Connecticut und Massachusetts zugelassen.

Das Ergebnis ist ein Schock für die rund 17.000 homosexuellen Paare, die sich seit Juni das Jawort gegeben haben. Damals hatte Kaliforniens Oberstes Gericht gleichgeschlechtliche Ehen für legal erklärt. Kaliforniens Generalstaatsanwalt geht davon aus, dass die seither geschlossenen Ehen gültig bleiben. Rechtliche Auseinandersetzungen seien aber dennoch zu erwarten.

Viele Gruppen, die Barack Obama zum Sieg verhalfen, bescherten Homosexuellen die Niederlage. 70 Prozent der Schwarzen stimmten für das Verbot, Latinos mit 53 Prozent. Die jüngeren Wähler waren liberaler: 67 Prozent der unter 30-Jährigen stimmten dagegen. Obama gilt zwar nicht als Verfechter der gleichgeschlechtlichen Ehe, er lehnte aber Diskriminierung und Verbote stets ab.

Die Kampagnen vor dem Referendum waren teuer: 75 Mio. Dollar gaben Gegner und Befürworter zusammen aus.


Historische Parallelen

Das Ergebnis steht in starkem Kontrast zu einer Abstimmung vor genau 30 Jahren. „Proposition 6“ sollte 1978 Homosexuellen verbieten, als Lehrer zu arbeiten. Man rechnete mit einem Erfolg des Referendums, bis sich der damalige Ex-Gouverneur Ronald Reagan vehement dagegen aussprach. „Proposition 6“ scheiterte deutlich.

Damals wie heute wurde am stärksten kritisiert, dass die Mehrheit der Bevölkerung über die Rechte einer Minderheit bestimmen durfte. Deshalb sind die Gegner von „Proposition 8“ auch vom Erfolg ihrer Klage vor dem Obersten Gericht überzeugt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2008)