Holzschmuck: Tragen statt verheizen

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Für Schmuck werden Steine geschürft, Goldstücke gewaschen und Bäume gefällt. Bäume gefällt? Ja, immer mehr Juweliere entdecken nämlich Holz als spannenden Gegensatz zu glitzernden Steinen und
Edelmetall.

Es liegt überraschend leicht in der Hand, das Collier mit den großen schwarzen, nicht wirklich runden Gliedern. Leicht, aber doch mit einer nicht zu leugnenden Schlagseite, nämlich da, wo die vergoldeten Teile sind. Für den Aha-Effekt des geringen Gewichts ist das Ebenholz zuständig, das man immer öfter in Kombination mit Gold, Diamanten und anderen Steinen sieht. Einerseits auf dem Laufsteg, wie etwa bei Gianfranco Ferré, andererseits in den Auslagen von Juwelieren wie Heldwein, wo die erwähnte Kette des italienischen Herstellers Vhernier zu finden ist.

Übrigens: „Holzschmuck“ sollte man zu solchen Stücken vermutlich lieber nicht sagen. Denn dieser Begriff ist noch immer in der semiesoterischen Alternativecke angesiedelt, auf Adventmärkten zwischen Freundschaftsbändern, selbst gewalkten Filzschlapfen und Feng-Shui-Delphinen. Handgestrickte Homepages zum Schlagwort „Holzschmuck“ finden sich zuhauf, nur wenige schaffen es, der „Geborgenheit durch natürliche Materialien“-Falle ohne Kratzer zu entkommen.

Höchste Holzqualität. Was Juweliere wie der Münchner Hemmerle oder der Wiener Schullin hingegen mit dem pflanzlichen Rohstoff machen, hat mit Harmonieanhängern auf Lederbändern freilich so gut wie nichts zu tun – bis auf das Holz, natürlich. Aber auch hier liegen qualitativ Welten dazwischen. Hemmerle, bekannt für seine ungewöhnlichen Materialkombinationen, verwendet zum Beispiel ausgesuchte Teile von Pockholz, einem sehr schweren, harten Holz von den Antillen, oder vom purpurfarbenen Amarantholz aus Südamerika. Und kombiniert diese mit Saphiren, Turmalinen und Weißgold.

Das Arbeiten mit Holz ist immer ein Risiko: „Es ist eben ein lebendiges Material“, sagt Manfred Seitner, der Ebenholz zum Beispiel mit einem Brillanten und Weißgold zu einem schlicht-kantigen Ring verbindet. „Da können schon einmal viele Stunden Arbeit draufgehen, und irgendwann bricht das Ganze, und alles war umsonst.“ Man müsse deswegen die dichtesten Teile aussuchen, er selbst hat in seinem Atelier in der Wiener Dorotheergasse ein größeres Stück Ebenholz lagern, aus dem er für das jeweilige Schmuckstück dann den passenden Teil heraussucht.

Reizvoller Materialkontrast. Auch Herbert Schullin kann ein Lied vom heiklen Material Holz singen. Er arbeitete bis jetzt allein mit Ebenholz, eben „weil es besonders dicht ist und seltener Sprünge bekommt als andere Holzarten“. Für einen Ring etwa wird das Holz durch Kleben mit einem Gerüst aus Gelb- oder Weißgold verbunden, zusätzlich wird es durch sogenannte „Wangen“, eine Art halbkreisförmiger Vorsprünge im Inneren des Schmuckstücks, fixiert, „damit die Holzteile nicht mehr seitlich verrutschen können“. Die Holzelemente werden per Hand zugeschliffen und danach ins Gerüst eingepasst, zum Schluss wird das ganze Schmuckstück noch einmal verfeilt, damit sich die so unterschiedlichen Materialien bestmöglich ineinanderfügen.

„Ein Schmuckstück mit Holz verlangt natürlich eine gewisse Pflege“, sagt Herbert Schullin. „Entweder man geht ab und zu selbst mit einer ganz normalen Holzpolitur drüber, oder man bringt es bei uns vorbei.“ Der Reiz an der Arbeit mit Holz besteht für ihn im Kontrast: die matte, trotz der Dichte doch offenporige Oberfläche des Ebenholzes als Gegenpol zu glänzendem Gold, zu einem funkelnden geschliffenen Farbedelstein. Was die Kunden in seinem Geschäft am Kohlmarkt nicht sehen können, ist seine neue kleine Studiensammlung zum Thema Holz, mit der er gerade am Tüfteln ist. Viel mag er noch nicht verraten, er zählt aber bereitwillig in Stichwortmanier ein paar seiner Holzproben auf, teilweise samt Steinen, die ihm dazu passend erscheinen: „Bruyère, besonders hart und dicht.

Buchsbaum. Olivenholz, dazu vielleicht ein olivgrüner Peridot. Palisander. Palmenholz, interessant, weil lange Fasern. Und Pink Ivory, ein rosa Holz aus Afrika.“ Zu Letzterem kann er sich einen rosafarbenen Morganit besonders gut vorstellen. Und von allen Hölzern hat er auch Wurzel- und Knollenteile, die wiederum eine ganz andere Maserung haben als Astteile. Jedes Stück ist eben anders.

Auf diese Einzigartigkeit achtet auch der Innsbrucker Goldschmied Christoph Norz. Ihm ist es ganz recht, wenn sich aus der Maserung des Holzes gleich die Platzierung von Steinen, etwa Brillanten, oder Gold ergibt. Ganz bewusst wählt er für einen Armreif mit Gold ein ungewöhnlich helles Stück Ebenholz, das sich von anderen typischen, weil fast schwarzen Holzproben durch seine lebendige Zeichnung abhebt. „Die Wärme der Holzfarbe und die des Goldes sind ähnlich, die Oberflächen hingegen ein spannender Kontrast.“

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