"Dramatisch wie nach 9/11": 500.000 verlieren in USA ihren Job

(c) AP (Mike Groll)

Die Serie an negativen Konjunkturdaten aus den USA reißt nicht ab. Die Zahl der Arbeitslosen in den USA ist unerwartet deutlich auf 6,5 Prozent gestiegen. In nur zwei Monaten gingen 500.000 Jobs verloren.

Die Arbeitslosenquote in den USA ist im Oktober unerwartet deutlich auf 6,5 Prozent gestiegen. Dies teilte das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mit. Das ist der höchste Stand seit 14 Jahren. Im September hatte die Arbeitslosenquote noch bei 6,1 Prozent gelegen. Die Zahl der Arbeitsplätze sei um 240.000 gefallen.

Zudem wurde bekannt: Auch die Statistiken aus den Vormonaten mussten nach oben revidiert werden. So gingen bereits im September 284.000 Stellen verloren - um 125.000 mehr als bisher vorhergesagt. Innerhalb von nur zwei Monaten verlor also eine halbe Mio. Amerikaner ihren Job. Insgesamt beläuft sich der Stellenabbau seit Jahresbeginn auf 1,2 Millionen. Heinrich Bayer, Volkswirt bei der Postbank, zog laut "Financial Times Deutschland" einen Vergleich: "Die Beschäftigungsentwicklung ist jetzt ähnlich dramatisch wie nach den Anschlägen vom September 2001."

Der Absturz des Arbeitsmarktes hat damit an Fahrt gewonnen, das Risiko einer tiefen Rezession nimmt zu. Experten sehen vorerst keine Besserung.

Weitere Zinssenkungen erwartet

Nach Einschätzung von Experten steigert das die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinssenkungen. "Wir sind in eine Phase gekommen, die sich durch Bedingungen wie in einer ernsthaften Rezession auszeichnet", sagte Richard DeKaser, Chefvolkswirt bei National City. "Leider werden wir in Zukunft mehr davon bekommen." Damit steige der Druck auf die Politik, ein weiteres Konjunkturpaket aufzulegen.

Postbank-Analyst Bayer sieht eine höhere Chance für erneut sinkende Zinsen. "Allerdings ist der Spielraum für die Geldpolitik, die Wirtschaft durch Zinssenkungen zu stimulieren, angesichts des aktuellen US-Leitzinsniveaus von einem Prozent inzwischen sehr eingeschränkt."

US-Börsen trotzen Arbeitsmarktdaten

Trotz schwacher Arbeitsmarktdaten haben die New Yorker Aktienbörsen am Freitag im Frühhandel mit festeren Kursen tendiert. Marktbeobachtern zufolge, hätten die Märkte die schwachen Daten bereits in den beiden vergangenen Handelstagen eingepreist.

Bis 16.30 Uhr MEZ stieg der Dow Jones Industrial Index um 2,12 Prozent auf 8.880,49 Zähler. Der S&P-500 Index gewann 2,08 Prozent auf 923,68 Zähler. Der Nasdaq Composite Index legte um 2,12 Prozent auf 1.642,73 Einheiten zu.

Bush: "Erholung wird Zeit brauchen"

Die wirtschaftliche Erholung in den USA wird nach Ansicht von US-Präsident George W. Bush Zeit brauchen. Die erneute Steigerung der Arbeitslosenquote sei ein Beleg für die "schwierigen Herausforderungen, mit denen unsere Wirtschaft konfrontiert ist", betonte Bush am Freitag in Washington in einer Stellungnahme zu den jüngsten Zahlen des US-Arbeitsministeriums.

Angesichts der weltweiten Finanzkrise und der angespannten Lage auf den Kreditmärkten, werde es noch dauern, bis die "aggressiven und entschiedenen Maßnahmen der Regierung greifen".

"Wirtschaftskrise wird zu Obamas größtem Problem"

Indes hat sich der designierte US-Präsident Barack Obama am dritten Tag nach seinem Wahlsieg den drängenden Wirtschaftsproblemen des Landes zugewandt. Er und sein Vize Joe Biden wollten am Freitag mit 17 Mitgliedern seines Übergangsteams für Wirtschaftsfragen zusammentreffen, darunter frühere Kabinettsmitglieder und Spitzenmanager der Konzerne Xerox, Time Warner, Google und Hyatt. Finanzinvestor Warren Buffett sollte telefonisch zugeschaltet werden.

Noch ehe er das Amt übernimmt, steht Obama erheblich unter Druck. "Auch wenn die Wirtschaftskrise ein Grund für seinen Wahlerfolg war, wird sie jetzt zu seinem größten Problem", urteilten die Volkswirte von IHS Global laut "Financial Times Deutschland".