Volvo Ocean Race: Das Meer als Rennstrecke eines Killerwals

Andreas Hanakamp
Andreas Hanakamp(c) REUTERS (HEINO KALIS)
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Andreas Hanakamp ist Skipper der „Kosatka“, er erfüllt sich einen Traum – obwohl er seine sieben Sachen in einem Plastiksackerl eingeschweißt hat.

KAPSTADT. 37.000 Nautische Meilen, also knapp 69.000 Kilometer, bis zu 30 Meter hohe Wellen, Temperaturen von 40 Grad plus bis fünf Grad minus. Nahrung kommt ausschließlich aus der Tube und den salzigen Geschmack im Mund lassen Windstärken von 100 km/h schnell vergessen. Eine Dusche kommt maximal von oben und wer die Kleidung wechseln will, muss seine Unterhosen erst aus dem Plastiksackerl reißen, in das sie eingeschweißt worden sind...

Das ist bei weitem keine lockere Ausfahrt. Trotzdem nehmen es Segler in Kauf, wenn sie beim Volvo Ocean Race dabei sein können. Viel Platz ist auf den 21,5 Meter langen Segeljachten aber nicht. Elf Mann drängen sich auf engstem Raum und ist der Schlafsack einmal nicht vollkommen nass, könnte fast „Urlaubsstimmung“ aufkommen, schmunzelt Andreas Hanakamp, der das russische Boot „Kosatka“ zu Platz sechs auf der ersten Etappe des Hochseemarathons von Alicante nach Kapstadt geführt hat.

Teurer Rat des Wetterfrosches

Das Volvo Ocean Race, einst als „Whitbread Round the World“ bekannt, ist eine seit 1973 im Vierjahresrhythmus stattfindende Regatta. Sie ist eine der härtesten der Welt, schreit nach echten Seebären und wenn die Jachten in den nächsten Stationen Cochin, Singapur, Qingdao, Rio de Janeiro, Boston, Galway, Göteborg, Stockholm und St. Petersburg einlaufen, ist ihnen der Respekt aller Seefahrer gewiss. „Für uns ist das Meer eine Rennstrecke“, sagt Hanakamp, „wir rasen bei pechschwarzer Nacht über jede Welle.“ Wer in einem Killerwal (Russisch: Kosatka) unterwegs ist, kennt keine Angst.

Als Kapitän, der Richtung und Tempo vorgibt, sieht sich der Wiener Neustädter und zweifache Olympiasegler nicht. Es sei ein Miteinander, zudem hat der „Wetterfrosch“ an Bord ein gehöriges Wort mitzureden. „Er sieht auf seinen Geräten, wo der Wind ist. Warum also sollte ich das anzweifeln?“ Hanakamp (42) und Navigator Wouter Verbraak stehen rund um die Uhr am Ruder, für den Rest der Besatzung gilt eine Einsatzzeit von vier Stunden. „Wir arbeiten täglich bis zur Erschöpfung!“ Es ist ein Rennen, das stets am Limit ist, für Mensch und Material. Klar aber ist, dass für alle Boote dieser VO70-Klasse nur die feinste Ware verwendet wird, sagt Hanakamp, der jedoch über die Kosten dieser Regatta nichts verraten wollte. Jeder der acht Jachten verschlingt aber jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag, und jeder einzelne Tag soll gar mit 50.000 Euro zu Buche schlagen.

Warum man sich das antue, nur eines Pokals wegen, auf diese Frage reagiert Andreas Hanakamp etwas verdutzt. Für ihn und jeden anderen Segler, der bei diesem Rennen dabei ist, erfüllt sich ein Traum. Es ist keine Irrfahrt durch fünf Weltmeere, es ist ein Wettrennen. „Der Mensch will doch immer gewinnen.“

www.volvooceanrace.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2008)

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