Post will „Pflicht-Golden-Handshake“

(c) AP (Hans Punz)
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Die Post plant, 8800 Jobs zu streichen und Briefzustellungen an Private auszulagen.

wien. Ab dem Jahr 2011 wird innerhalb der EU das Post-Monopol komplett aufgehoben. Damit sind sämtliche Zustelldienstleistungen für den Wettbewerb freigegeben. Bei den mehrheitlich staatlichen Post-Unternehmen geht daher die Angst um, dass die private Konkurrenz sich die lukrative Zustellung in den Ballungszentren schnappt und die Ex-Monopolisten auf dem Verlust bringenden Geschäft am flachen Land sitzen bleiben. Die Post hat daher ein Strategiepapier entwickelt, wie sie auf den Wettbewerb reagieren kann. Und dieses Papier enthält einige „Kracher“, unter anderem den Abbau von fast 9000 Mitarbeitern und das teilweise Auslagern der Briefzustellung an private Betreiber.

Post-Partner statt Postamt

Wie bereits berichtet ist ein Teil der Strategie das Schließen von rund 1000 Postämtern und das Ersetzen dieser durch sogenannte „Post-Partner“. Dabei werden in Tankstellen oder Supermärkten Postschalter eingerichtet, an denen die Kunden ihre Post-Angelegenheiten abwickeln können. Zum Teil arbeiten diese Post-Partner auch in den Räumlichkeiten der alten Postämter weiter. Meistens werden diese jedoch geschlossen.

Weitere Einsparungen sollen durch die Auslagerung der Briefzustellung erfolgen. Dabei sollen die Briefsortier-Zentren in gewissen Regionen von Privatunternehmen übernommen werden und die dazugehörende Brief-Zustellung im Namen der Post durchführen. Der Anlass dieser Auslagerung sind die Kollektivvertragslöhne. Die Post hat einen eigenen Kollektivvertrag, der deutlich höhere Löhne vorsieht als jene Branchen, nach deren Kollektivvertrag die Mitarbeiter bei der privaten Konkurrenz angestellt sind. Diesen Wettbewerbsnachteil will die Post durch die Auslagerung der Briefzustellung wettmachen. Die Übernahme solcher Sortier-Zentren will die Post ihren eigenen Mitarbeitern aktiv anbieten.

Keine Nachbesetzung mehr

Durch die Auslagerung der Briefzustellung sollen 2000 neue Jobs geschaffen werden. Gleichzeitig sollen bei der Post durch die Maßnahmen jedoch 8800 Jobs bis 2015 wegfallen. Vor allem die Zahl der Beamten, die noch rund 60 Prozent der 25.800 Postler ausmachen, soll reduziert werden. Konkret sollen 3000 Jobs, die aufgrund der „natürlichen Fluktuation“ wegfallen, nicht mehr nachbesetzt werden.

Weitere 3000 Beamte sollen in einen Personal-Pool der ÖIAG kommen. Dieser Pool soll insgesamt 6000 Beamte aus Post und Telekom Austria aufnehmen. Sie sollen aus- und weitergebildet werden und dann in anderen Branchen wieder einen Arbeitsplatz finden. Während der Zeit der Umschulung werden sie von der ÖIAG bezahlt und scheinen nicht mehr in den Bilanzen der Post und Telekom auf. Aufgrund des Zusammenbruchs der Regierung wurden die Gespräche über diesen Pool jedoch im Sommer abgebrochen.

Zu guter Letzt sollen 2800 Beamten mittels eines „Golden Handshake“ das Unternehmen verlassen. Schon jetzt bietet die Post ihren Beamten eine Zahlung von 45 Monatsgehältern an, wenn diese dafür ihren Job freiwillig aufgeben.

Dies soll nach Wunsch der Post künftig auch ohne die Zustimmung des einzelnen Betroffenen möglich sein. Über einen solchen „verpflichtenden Golden-Handshake“ will die Post-Spitze mit dem Betriebsrat verhandeln. Kommentieren wollte man bei der Post diese Pläne nicht. Das Unternehmen verwies auf die Aufsichtsratssitzung zu dem Thema am kommenden Mittwoch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2008)

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