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Regionalliga: Der Kampf um neue Meisterehren

(c) GEPA (Markus Oberlaender)
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Nach dem Bundesliga-Meistertitel war der GAK insolvent und stürzte in die Drittklassigkeit. Ernster Gegner im Aufstiegskampf: Blauweiß Linz, der geistige Vöest-Erbe.

GRAZ. Beißender Rauch von bengalischen Feuern steigt einem in die Augen. Eng zusammen stehen die Fans beider Lager in ihrer Kurve und brüllen Parolen in die kalte Stadionluft. 90 Minuten Abwechslung im tristen Alltag zwischen Erinnerungen an Erfolge vergangener Tage und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft stehen bevor. Diesmal treffen zwei Traditionsvereine aufeinander: Der GAK empfängt im Spitzenspiel der Regionalliga Mitte Blauweiß Linz, den geistigen Erben des SK Vöest.

Freilich, das mit den Traditionsvereinen ist geschummelt. Der FC Blauweiß Linz übernahm erst im Jahr 1997 den Platz von Austria Tabak in der oberösterreichischen Landesliga, änderte die Klubfarben und gab den Fans der ehemaligen Werkstruppe SK Vöest ein neues Zuhause. Das wurde nötig, weil 1997 der FC Linz, wie der Vöest-Verein mittlerweile hieß, mit dem Lask fusionierte. Sich einen Klub mit dem Stadtrivalen teilen, wollten die Voest-Fans aber nicht und bauten den Klub neu auf. Heute kommen statt Rapid oder Austria Teams wie Allerheiligen oder St. Veit auf Besuch. Aber immerhin konnte die Vöest-Identität im neuen Verein gerettet werden.

 

Eingeborene Vöestler

„Endlich wieder einmal Stadion-atmosphäre“, sprudelt es aus Walter Friedl heraus. Der Linzer nennt sich einen „eingeborenen Vöestler“, war früher selbst Ordner auf der Gugl. Das Spiel in der UPC-Arena beim GAK ist der Saisonhöhepunkt für die Blauweißen. Die Geschichte vom Meistertitel 1974 hat er schon hunderte Male erzählt, doch wird er nicht müde, es nochmals zu tun. „Die Leute haben das Spielfeld gestürmt, wir haben gejubelt und sind uns in den Armen gelegen.“ Heute sehnt sich der 43-Jährige wehmütig nach neuen historischen Erfolgen. „Wir träumen alle von dem Moment, in dem wir wieder in den Profifußball aufsteigen.“ Einer der Stolpersteine dahin ist der GAK.

Den Rotjacken aus Graz glückte ihr einziger Meistertitel 2004. Der Triumph forderte allerdings Tribut: Maßlos überhöhte Budgets führten zum finanziellen Kollaps. Nach zwei Insolvenzen, die der Klub arg ramponiert überlebt hat, sind die Erinnerungen an den Titel oder den historischen Auswärtssieg im Europacup beim FC Liverpool nur mehr Schnee von gestern. Das Einzige, was beim GAK derzeit glänzt, sind die vielen freien blaumetallischen Stadionsitze im Flutlicht der UPC-Arena. Die 2485 Besucher gegen Blauweiß Linz sind immerhin Saisonrekord.

 

Querelen statt Zusammenhalt

Auf der Tagesordnung stehen statt fußballerischer Leckerbissen lediglich interne Grabenkämpfe. Altfunktionäre rittern mit traditionalistischen Faninitiativen um die Macht im Klub. Michael Gaisbacher, selbst ehemaliger Sektionsleiter, kämpft aufseiten der Fans. Auch wenn sportlich der Aufstieg möglich scheint, bleibt ihm noch die Sorge um das Geld. Gaisbacher: „Aufsteigen ist eine Sache, eine Lizenz zu kriegen aber eine ganz andere.“ Die finanzielle Situation des Klubs ist nämlich trotz der mittlerweile abgeschlossenen Insolvenzverfahren unklar. Eine anonyme Investorengruppe soll sich in einem Geheimvertrag die Besitz- und Vermarktungsrechte am neuen Trainingszentrum des GAK gesichert haben. Im Gegenzug sollen sie dem Verein einen Kredit zur Bedienung der Zwangsausgleichsrate gewährt haben. Die Initiative fordert Einsicht in die geschlossenen Verträge und will bei der Mitgliederversammlung am 21. November über alle Einzelheiten aufgeklärt werden. Deshalb diskutiert man beim GAK derzeit auch mehr über Finanzielles denn über Sportliches. Gerade deshalb sind Gaisbacher die Spiele heilig: „Während dem Match gibt es nur das, was auf dem Platz passiert.“ Bei all dem Ärger braucht er die Atmosphäre im Stadion. „Wo im Leben hat man schon Situationen, in denen man vor Freude laut aufschreit?“ Spricht es, und jubelt über das zweite Tor des GAK an diesem Abend. Die Grazer gewinnen mit 2:1 und haben nur mehr vier Punkte Rückstand auf den Aufstiegsplatz. Im Stadion brennen bei der Siegesfeier die Bengalen, der Rauch macht die Besucher zu unscharfen Schatten. Wann er sich beim GAK verziehen wird und die Schattenmänner ins Rampenlicht stellt, bleibt vorerst offen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2008)