Die 76-Jährige Miriam Makeba erlag in Italien einem Herzinfarkt. Sie wurde bekannt durch Hits wie "Pata Pata". Ihr war bei einem Konzert plötzlich unwohl geworden, wenig später verstarb sie im Spital.
Miriam Makebas letztes Konzert galt einem Verfolgten: dem von der Mafia bedrohten italienischen Schriftsteller und Journalisten Roberto Saviano. Während des Auftritts am Sonntagabend in Castel Volturno wurde ihr unwohl, sie wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort starb sie an den Folgen eines Herzinfarkts. Sie wurde 76 Jahre alt.
Miriam Makeba war nie müde geworden, sich für Unterdrückte und Verfolgte zu engagieren – vor allem in Afrika. Man nannte sie „Kaiserin des afrikanischen Gesangs“ und „Mama Afrika“. „Als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich: ,Ich kann doch nicht ganz Afrika auf meinen Schultern tragen, das ist zu schwer für mich‘“, sagte sie einmal: „Mit den Jahren erkannte ich aber, welches Kompliment das war.“
Xhosa für die ganze Welt
„Pata Pata“ und besonders der „Click Song“ („Nguqongqothwane“), ihre größten Hits, die sie bis zuletzt sang, auch wenn sie ihr schon fad waren, haben sogar typisch afrikanische Laute in die Hitparaden und damit ins globale Bewusstsein gebracht: die Schnalzlaute („clicks“), die aus den Sprachen der Khoisan (früher diskriminierend als „Hottentotten“ und „Buschmänner“ bezeichnet) in das von acht Millionen Südafrikanern gesprochene Xhosa übernommen wurden, und das war Makebas Muttersprache. In dieser sang sie oft, aber sie hatte auch englische, spanische und portugiesische Songs im Programm, sie verstand sich auf die Tonart der Chansons, des Blues und Jazz sowieso.
Geboren wurde sie als jüngstes von 21 Kindern in der Nähe von Johannesburg, in Prospect Township, in der Zeit der Apartheid: Wie ihre Mutter – der sie 1988 ein ganzes Album mit traditionellen Liedern ihrer Kindheit widmete – musste sie schon als junges Mädchen in weißen Haushalten arbeiten, täglich aus ihrem Homeland zu den weißen „Masters“ reisen. 1954 schloss sie sich den „Black Manhattan Brothers“ an, die sich an afroamerikanischen US-Gruppen wie den „Ink Spots“ orientierten.
1957 erfuhr sie während einer US-Tournee, dass sie in Südafrika Einreiseverbot habe. Grund: Sie hatte am apartheidkritischen Dokudrama „Come back Africa“ mitgewirkt. 1962 sang sie bei John F.Kennedys Geburtstagsfeier im Madison Square Garden ihr Lied „Wimoweh“, das später als „The Lion Sleeps Tonight“ bekannt wurde. 1967 kam sie mit „Pata Pata“ in die Top Ten. Aber auch in den USA fiel sie in Ungnade, als sie 1968 den „Black Panther“-Aktivisten Stokely Carmichael heiratete. Sie zog nach Guinea, vertrat dieses Land sogar als Sonderbotschafterin bei der UNO.
Bis 1990 dauerte ihr Exil – sogar im südafrikanischen Radio durften viele ihrer Lieder nicht gespielt werden –, dann kehrte sie auf die Bitte von Nelson Mandela hin in ihre Heimat zurück. 1991 gab sie zwei umjubelte Konzerte, die das staatliche Fernsehen in voller Länge ausstrahlte. In der restlichen Welt war sie, auch wenn ihre majestätischen Auftritte eine Zeit lang rar waren, längst als „Stimme Afrikas“ bekannt, ihre Mitwirkung an Paul Simons „Graceland“-Tour (1987) hatte das nur besiegelt. Anti-Apartheid-Hymnen behielt sie im Programm, etwa den „Soweto Blues“ von Trompeter Hugh Masakela, der von 1964 bis 1966 ihr Ehemann war.
Insgesamt war sie fünfmal verheiratet. Sie hinterlässt zwei Enkelkinder und die Erinnerung an eine Frau, die sich selbst treffend so beschrieb: „Hoffnung, Entschlossenheit und Gesang – mit diesen drei Eigenschaften bin ich auf die Welt gekommen, und bis zum Tag meines Todes werde ich sie behalten.“
LEXIKON
■Das Wort „Apartheid“ (Afrikaans, von „apart“ = „einzeln, gesondert“) bezeichnete ursprünglich nur die Rassentrennung in Südafrika, überlebte aber deren Abschaffung: Heute bezeichnet es auch jede institutionalisierte Politik der Rassentrennung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2008)