Auch die Post wird verschenkt

(c) Reuters (Heinz-Peter Bader)
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Post oder Amt? Beides gleichzeitig geht in einem liberalisierten Markt nicht.

Die Umstrukturierungspläne der börsenotierten Post AG stoßen, wenig überraschend, auf ziemlichen Protest. Von Herrn Faymann (der aus der Post eine zweite AUA machen möchte oder so ähnlich, zumindest wird es darauf hinauslaufen), bis zu den Streitern von Attac, denen wieder ein staatliches Postmonopol vorschwebt.

Beeindruckend. Aber leider am Thema vorbei. Das Problem bei der Sache ist nämlich, dass auch Jahre nach dem Börsengang nicht geklärt ist, was die Post überhaupt sein soll. Ein börsenotiertes Unternehmen, das sich bald in allen Geschäftsbereichen mit flexiblen privaten Konkurrenten messen wird müssen? Dann sind die zahlreichen Politikerzurufe und -drohungen kontraproduktiv und geschäftsschädigend. In einer Aktiengesellschaft werden Strategiemodelle normalerweise in den zuständigen Gremien diskutiert. Und nicht per Parteiaussendung.

Oder vielleicht doch ein am Gängelband der Politik hängender staatlicher Monopolbetrieb, dem man nur zur Tarnung ein AG-Mäntelchen umgehängt hat? Dann hätte man freilich die vielen großen und kleinen Anleger schlicht belogen, denen man die Post-Aktie als Wertpapier angedreht hat.

Mit anderen Worten: Die Haupteigentümer (51 Prozent hält der Staat über die ÖIAG) haben sich noch nicht zwischen Post und Amt entschieden. Postamt geht in einem liberalisierten Markt aber nicht.

Überraschend ist das freilich nicht: Dieses Herumlavieren zwischen zwei Welten hat im Reich der Staatsbetriebe eine lange Tradition. Aus der (meist tödlichen) Politikerumklammerung haben sich nur Staatsunternehmen gelöst, die schnell und weitgehend privatisiert wurden. Überall dort, wo der ÖIAG-Anteil noch essenziell ist, gibt es Probleme.

Das schönste Beispiel ist ja gerade die von Faymann zitierte AUA: Die ist jetzt nicht zuletzt deshalb praktisch pleite, weil vernünftige Kooperationslösungen jahrelang mittels des politischen Gesslerhuts „rot-weiß-rote Schwanzflosse“ verschleppt wurden.

Genau das droht jetzt der Post. Aber das ist möglicherweise jenseits des Horizonts von Ideologen und Populisten. Oder, was wahrscheinlicher ist: Es ist ihnen egal. In ein paar Jahren werden wir die politisch zu Schrott gefahrene Post wie die AUA verschenken. Die private Konkurrenz wird es jedenfalls freuen.


josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2008)

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