Seit kurzem läuft auf RTL die zweite "Psych"-Staffel. Braucht man die? Naja.
Fast wäre sie einem entgangen: Zwischen dem immer noch hervorragenden "Dr. House" (Dienstag, 21.15 Uhr) und dem explizit ernsten "Law & Order" (23.10 Uhr) zeigt RTL seit kurzem die 2. Staffel von "Psych". Noch eine Krimiserie, eine aus der schrullig-genialen Columbo-Monk-Ecke, was angesichts der erdrückenden Zahl an "CSI"-Forensik-DNA-Analyse-Serien (an denen sich die Zuseher offenbar immer noch nicht sattgesehen haben) eine gute Nachricht ist. An sich.
Leider ist "Psych" - ein junger Mann, Shawn, gibt vor, komplizierte Kriminalfälle dank seiner übersinnlichen Kräfte zu lösen, in Wirklichkeit tut er dies dank seiner ziemlich guten Kombinationsgabe und seines erstaunlichen Gedächtnis - ein bisschen zu offensichtlich an Monk orientiert. (Tatsächlich werden beide Serien in Amerika für das USA Network produziert und liefen zweitweise hintereinander.) Und der hat sich samt seiner geschätzen 300 Neurosen im Laufe der Zeit schon ein bisschen totgefahren.
Aber man darf nicht unfair sein. Auch ein Abklatsch kann gut sein. Shawn (James Roday) ist weniger neurotisch als Monk, dafür albert er an der Seite seines Partners Gus (welche Funktion hat der eigentlich außer dem des Sidekicks, der hie und da für Gags sorgen soll?) wie ein pubertierender Bub herum. Während man dem verschroben-genialen Monk das Kombinieren und Rätsel-Lösen sofort abnimmt, traut man das dem jugendlichen Blöder mit dem Allerweltsgrinsen aber nicht so recht zu (was wohl Absicht ist). Was wiederum dazu führt, dass die ganze Geschichte ein wenig unglaubwürdig rüberkommt (was wohl nicht Absicht ist). Die teils lauen Witze, die einen neuen Zugang zum Genre Krimi schaffen sollen, helfen da auch nicht recht. Zur Verteidigung der Serie sei gesagt, dass durch die Synchronisation vermutlich viele Scherze verloren gehen.
Die Folge am Dienstag abend war an sich keine schlechte. Dem Polizeichef wird das Auto gestohlen, die Spur führt die Polizei dank Shawn sogleich zu einem Autohehler und ist schnell gelöst. Zu schnell, wie Shawn ahnt, während die anderen Polizisten (eh klar) den Fall als geklärt ansehen. Shawn bohrt weiter - dazwischen vergeigt er ein Date mit einem Mädchen, das er auch mit seiner vorgetäuschten Hellseherei beeindruckt hatte - und deckt auf (mittels vorgetäuschter Eingebungen), dass hinter dem Autoteilhändler ein Drogenschmuggler steckt. Das war recht kurzweilig und solide erzählt, den Begriff "mitreissend" zu verwenden, wäre aber übertrieben.
Braucht man "Psych" also in seiner 2. Staffel (in den USA gibt es schon vier)? Ja, wenn man Krimis, aber keine Schusswundenanalysen in der Gerichtsmedizin à la CSI sehen will. Nein, wenn man noch eine alte Monk-Staffel auf DVD daheim hat. Oder einem die zahllosen Detektiv-Serien langsam zu viel werden. Randy Newman hat im Titelsong zu Monk schon recht: It's a jungle out there. Krimiserientechnisch.