Astronomie: Exoplaneten im System

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Erstmals wurden drei Begleiter eines Sterns gesichtet. Zugleich fiel ein anderer direkt ins Auge.

Der Himmel kommt in Bewegung: Eine Gruppe um Paul Kalas (Berkeley) hat erstmals einen Exoplaneten im sichtbaren Licht direkt detektiert, einer zweiten um Christian Marois (Lawrence Livermore) ist – im Infrarotbereich – ein noch wichtigerer Fund gelungen: Hier sind es gleich drei Planeten, die sich um ihren Stern herumbewegen und mit ihm ein System bilden. „Planeten treten in Systemen auf, das ist das Entscheidende an diesem Fund“, erklärt Günther Wuchterl, österreichischer Astrophysiker an der Thüringer Landessternwarte Tautenburg, der „Presse“: „Er kommt gerade recht zu den zwei 400-Jahr-Jubiläen, die anstehen.“

1609 formulierte Kepler die „Astronomia nova“ bzw. (darin) die Gesetze der Planetenbewegung, 1609 richtete Galilei erstmals ein Teleskop gen Himmel. Beide sahen, was sich bewegte und was nicht: Die Planeten ziehen in elliptischen Bahnen um die Sonne.

Lange kannte man nur ein solches System – unseres –, 1990 wurde der erste extrasolare Planet gesichtet, inzwischen kennt man 322 (Stand Anfang November), 77 davon in Systemen, das umfangreichste umfasst fünf Exoplaneten. Aber sie alle kennt man nur indirekt: Die Beobachtung von Exoplaneten ist schwer, ihre Zentralgestirne – „Sterne“ wie unsere Sonne – sind hell, sie selbst sind dunkel und relativ klein; man kann auf ihre Existenz nur durch die Effekte rückschließen, die sie auf ihre Sterne ausüben, durch die Gravitation etwa oder durch die Veränderung des Lichts beim Vorbeiziehen.

Bugwelle im Himmelsstaub

Die erste direkte Sichtung gelang 2004 einem Team mit Wuchterl, dieser Planet – „GQ lupi b“ im Sternbild des Wolf – zeigte sich im Infrarot. Das sehen wir mit unseren Augen nicht, aber nun ist auch der erste für uns sichtbare Exoplanet da, „Formalhaut b“, etwa so groß wie Jupiter, in 25 Lichtjahren Entfernung zieht er um seinen Stern. Er zeigt sich schon lange an der Spur, die er durch den Staub in seinem System zieht – so wie ein Schiff aus großer Höhe an der Bugwelle erkennbar ist –, Kalas ist ihm seit 15 Jahren hinterher, in den Jahren 2004 und 2006 sind ihm Fotos mit dem Weltraumteleskop „Hubble“ gelungen (Science, 13.11.).

Die wären die Sensation des Tages, hätte nicht das Team um Marais die noch spektakuläreren Bilder, wieder im Infrarot wie einst bei Wuchterl, aber diesmal mit drei Himmelskörpern um einen Stern herum (Science, 13.11.). „Es wird viel Streit darüber geben, was das für Objekte sind“, erklärt Wuchterl: „Aber das ist nachrangig. Die Hauptsache ist, dass sie ein System bilden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2008)

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