Kasachstan: 7,5 Mrd. Dollar für neue Seidenstraße

(c) AP (Sergei Grit)

2009 beginnt der Ausbau einer rund 2800 Kilometer langen Straße, die China mit Europa verbinden wird – und durch einen der korruptesten Staaten der Welt führt.

WIEN (go).In Zentralasien nimmt ein Bauprojekt von gigantischen Maßen Gestalt an, das gleichermaßen große Hoffnungen in die wirtschaftliche Modernisierung wie Befürchtungen schwerer Korruption weckt. Die wichtigsten Entwicklungsbanken der Welt finanzieren in Kasachstan gemeinsam mit privaten Geldgebern und der kasachischen Regierung den Ausbau der 2715 Kilometer langen Straßenverbindung von der Grenze mit China zur nordwestlichen Grenze mit Russland.

 

Endkosten sind noch ungewiss

Rund 80 Prozent dieser Strecke, die ungefähr dem Verlauf der antiken Seidenstraße folgt, müssen neu gebaut oder stark renoviert werden. Die Weltbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) und die Islamische Entwicklungsbank (IDB) stellen Darlehen in Milliardenhöhe zur Verfügung. Wie groß dieses Unterfangen ist und wie ungewiss dessen tatsächliche Endkosten, zeigt der Umstand, dass die Weltbank den Gesamtaufwand mit 7,5 Mrd. Dollar (sechs Mrd. Euro) beziffert, die ADB hingegen mit 6,7 Mrd. Dollar.

Die Straße mit der sperrigen offiziellen Bezeichnung „Central Asian Regional Economic Cooperation Transport Corridor I“ (siehe Grafik) weckt kühne Erwartungen. Die ADB prognostiziert, dass der Ausbau der Route auf vier Fahrspuren die Wirtschaftsleistung Kasachstans ab dem Jahr 2020 um 68 Prozent erhöhen könnte. Auch China und Russland sollten laut dieser Vorhersage aus der Modernisierung der Seidenstraße Nutzen ziehen. Im Jahr 2020 sollte das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) dank des schnelleren und billigeren Transports um vier Prozent, jenes von China um sechs Prozent höher sein als ohne den Ausbau.

Die erwähnten Entwicklungsbanken stecken folglich viel Geld in das Projekt. Die Weltbank hat sich diesen Juni dazu verpflichtet, 2,5 Mrd. Dollar für einen 1025 Kilometer langen Abschnitt der Strecke zur Verfügung zu stellen. Das ist derzeit das größte Unterfangen der Weltbank in Zentralasien.

Die ADB schießt der kasachischen Regierung 700 Mio. Dollar zu, um ein 480 Kilometer langes Stück zu bauen. Die IDB stellt 414 Mio. Dollar bereit, die staatliche Entwicklungsbehörde Japans weitere 150 Mio. Dollar. Die EBRD prüft dieser Tage einen 180-Mio.-Dollar-Kredit für den Ausbau von 102 Kilometern. Der Rest muss von privaten Investoren und der kasachischen Regierung finanziert werden, was angesichts der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise und des sinkenden Ölpreises für das ölproduzierende Kasachstan eine große Herausforderung darstellen wird.

 

Nur 35 Länder sind korrupter

Dabei ist es wenig hilfreich, dass der flächengrößte Binnenstaat der Welt eines der korruptesten Länder ist. Laut dem „Corruption Perception Index“ von Transparency International, dem Antikorruptionsverein, liegt Kasachstan unter 180 Staaten auf Rang 145.

Auch die EBRD hegt große Vorbehalte gegenüber den Behauptungen der Regierung unter Langzeitpräsident Nursultan Nasarbajew, die Bestechung und den Amtsmissbrauch eindämmen zu wollen. In ihrem Strategiepapier vom 21. November 2006 rügt sie, dass die kasachischen Wirtschaftsgesetze vielerorts nicht den „allgemein akzeptierten internationalen Standards“ entsprächen. So habe Kasachstan noch keine Gesetze gegen Geldwäsche und die Finanzierung von Terrorismus in Kraft gesetzt. Auch gebe es „wenig Fortschritt“ bei der Offenlegung von privaten finanziellen Interessen staatlicher Entscheidungsträger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2008)