Der „Putsch“ bei MIP hat dem System Immofinanz/Meinl den Todesstoß versetzt – und bringt Anleger hoffentlich zum Nachdenken.
Ob die gestrige Abwahl des gesamten Vorstands der Meinl International Power (MIP) nun ein „Sieg der Aktionärsdemokratie“ ist, wie die „Rebellen“ meinen, oder eine „feindliche Übernahme“ durch bösartige Hedgefonds, wie es aus dem Meinl-Eck tönt, sei jetzt einmal dahingestellt. Fakt ist aber, dass hier dem „System Immofinanz/Meinl“ der finale Todesstoß versetzt wurde. Einem System, das ganz offensichtlich darauf ausgelegt war, durch geschickte Firmenkonstruktionen (etwa gebührenpflichtiges externes Management über eigene Gesellschaften) möglichst viel Geld aus börsenotierten Unternehmen herauszuziehen. Nach dem einträglichen Motto „Die Aktionäre tragen das Risiko – und wir den Gewinn davon“.
Faszinierend, dass das, solange es aufwärtsging, niemanden interessiert hat. Dabei hat das ja damals schon die Performance der Aktionäre und Zertifikateure beträchtlich reduziert.
Hier haben ausnahmsweise einmal nicht die Aufsichtsbehörden versagt, sondern wohl die Anleger selber. Denn man kann den Akteuren vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie irgendetwas verheimlicht hätten: Die Konstruktionen samt abenteuerlich hoher Gebühren waren überall nachzulesen. Wenn das jetzt zu dem Bewusstsein führt, dass zum Aktienkauf doch mehr Information gehört, als Hochglanzprospekte und schlecht informierte „Strukturvertriebler“ bieten können, dann war das Lehrgeld wenigstens nicht umsonst bezahlt. (Bericht: S. 23)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2008)