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AUA: Kleinaktionäre proben Aufstand

(c) APA (Robert Jäger)
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Werber Hans Schmid droht mit einer Sonderprüfung, Aktionärsvertreter Rasinger will Lufthansa-Aktien.

Wien. Das Treffen fand in aller Diskretion am vergangenen Mittwoch statt. AUA-Chef Alfred Ötsch hatte es sich nicht nehmen lassen, einen Kleinaktionär der Fluggesellschaft zu sich einzuladen. Zu einer Plauderei unter vier Augen, so viel Zeit muss sein.

Es war natürlich nicht pure Höflichkeit. Und besagter Kleinaktionär war auch nicht irgendwer – sondern Hans Schmid, Gründer und einstiger Chef der Werbeagentur GGK. Offenbar bereitet er Ötsch ziemliche Sorgen: Schmid hat erst unlängst laut über den „Dilettantismus“ rund um den AUA-Verkauf geklagt. Ötsch weiß: Schmid könnte gefährlich werden. Eine freundliche Unterredung könne nicht schaden, befand der AUA-Chef.

Genützt hat's aber herzlich wenig: Schmid denkt gar nicht daran, klein beizugeben. Dass die AUA an die Lufthansa geht – damit hat er sich mittlerweile abgefunden. Wiewohl er es wirklich befremdlich findet, „wie in dem Land mit Kleinaktionären umgegangen wird“. Schmid: „Die ÖIAG verkauft nicht die AUA, sie verkauft nur ihren Anteil (42,6 Prozent, Anm.).“ Soll heißen: Schmid will sich nicht vor vollendete Tatsachen stellen lassen.

Und er hat sich für den Ernstfall vorbereitet: Er selbst hält ein Aktienpaket von 4,15 Prozent. „Gemeinsam mit einem Schweizer Investor“ kommt er auf 9,1 Prozent. Mehr sind in Aussicht: „In den letzten Tagen haben sich etliche AUA-Aktionäre an mich gewandt“, sagt Schmid, „gemeinsam kämen wir auf 9,6 Prozent.“ Man ahnt es schon: Schmid strebt die Zehn-Prozent-Marke an, mit der er eine außerordentliche Hauptversammlung der AUA durchsetzen kann – mitsamt Sonderprüfung, in der die Gebarung der Airline unter die Lupe genommen wird. Schmid: „Die zehn Prozent erreiche ich locker, den Rest kaufe ich allenfalls an der Börse dazu.“

Noch ist es freilich nicht so weit: Schmid will bis Anfang Dezember zuwarten, bis die Kaufverträge von Lufthansa und ÖIAG unterschrieben sind. „Wenn die Lufthansa den Kleinaktionären ein faires Angebot macht, ist alles in Ordnung“, sagt Schmid. „Wenn nicht, dann kommt es zur Sonderprüfung.“

 

Rätselraten um den Preis

Auf dieses Übernahmeangebot – und vor allem den Preis – warten alle AUA-Kleinaktionäre mit Hochspannung. Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverbandes der Anleger (IVA), rechnet im Unterschied etwa zu Erste-Bank-Analystin Martina Valenta und RCB-Analyst Bernd Maurer fest mit einem Pflichtoffert. Schließlich habe die Lufthansa laut Übernahmekommission ein solches bereits in Erwägung gezogen. Sie müsste das aber nicht tun: Laut §25 Übernahmegesetz muss ein Käufer kein Pflichtangebot legen, wenn der Aktienerwerb Sanierungszwecken dient. Dieser Passus könnte bei der defizitären AUA zur Anwendung kommen.

Rasinger glaubt eher, dass die zweite vom Übernahmegesetz vorgesehene Ausnahme zum Tragen kommen könnte: die Entbindung von der Vorschrift, dass der Übernahmepreis zumindest dem Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate entsprechen muss. Im Fall AUA wären das 4,20 Euro, was angesichts des Kursverfalls seit Jahresbeginn – der Wert hat sich auf drei Euro halbiert – für Valenta „gar nicht schlecht“ ist. Ihr ist aber bewusst, dass dies für Anleger, die bei weit über acht Euro gekauft haben, ein schwacher Trost ist. Obwohl die AUA-Aktie am Freitag kräftig gestiegen ist, glaubt Valenta nicht an weitere Kurssprünge.

Rasinger sieht die Preisdebatte pragmatisch: „Wenn das Angebot zu niedrig ist, muss man ja nicht verkaufen und kann die Komplettübernahme (Squeeze-out, Anm.) blockieren.“ Dazu braucht es zehn Prozent – wie sie etwa Schmid bald hat. Rasinger fordert einen Angebotspreis, der den 4,89 Euro der letzten Kapitalerhöhung entspricht. Für die von massiven Kursverlusten und Dividendenausfällen enttäuschten Anleger – „die sind weder Spekulanten noch dividendengeil“ – wünscht sich Rasinger ein „Zuckerl“: Unabhängig vom Barangebot sollte die Lufthansa ihre Aktien im Tausch gegen AUA-Papiere anbieten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2008)