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Astronomie: Chronik eines angekündigten Absturzes

Symbolbild: Meteor
(c) EPA (Nasa)
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Erstmals wurde ein Asteroid auf Kollisionskurs entdeckt, sein Absturz vorherberechnet und fotografiert.

TUCSON/KHARTUM/WIEN. Wie erst jetzt bekannt wurde, fand im Oktober ein bemerkenswertes Himmelsereignis statt: Erstmals wurde ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde entdeckt. Und: Die Astronomen konnten auch erstmals berechnen, wo und wann er in die Atmosphäre eintreten würde – das geschah nämlich schon einen Tag später über dem Nordsudan. Der Asteroid brach dort in 37 Kilometer Höhe auseinander – und das wurde von einem Wettersatelliten fotografiert und von einem Piloten beobachtet.

Das Objekt „2008 TC3“ wurde in der Früh des 6. Oktober von Richard Kowalski vom „Catalina Sky Survey“-System entdeckt – einem Netz von Teleskopen mit Zentrum in Tucson (Arizona), das erdnahe Asteroiden sucht. Man meldete den Fund dem „Minor Planet Center“ in Cambridge (Massachusetts) und anderen astronomischen Instituten weltweit, und bald wurde errechnet, dass der Brocken die Erde binnen 21 Stunden treffen würde. Eine Alarmkette wurde ausgelöst: Die Nasa informierte wichtige Behörden wie das US-Außenamt, das Pentagon und den Nationalen Sicherheitsrat. Der Schrecken hielt sich aber in Grenzen, da sich zeigte, dass „2008 TC3“ nur zwei bis fünf Meter groß war und wohl verglühen würde; zudem wurde als Absturzort die fast menschenleere Nubische Wüste im Sudan ermittelt.

 

 

Der Kleinasteroid trat um 5:46 Uhr Ortszeit über dem Nil in gut 100 km Höhe in die Atmosphäre ein; er war zuvor mit 12,4 Kilometer/Sekunde über Libyen gezogen. Er glühte auf und explodierte Sekunden später in 37 km Höhe; die Explosionsenergie entsprach jener von 1000 Tonnen TNT. Fragmente könnten weiter östlich in die Wüste gestürzt sein, Schadensberichte gibt es nicht.

 

Explosionsblitz hell wie ein Vollmond

Ein „Meteosat“-Wettersatellit machte ein (unscharfes) Bild vom Zerfall des Asteroiden (s. roter Punkt auf Foto re.): Es zeigt einen Blitz auf 21° nördlicher Breite und 32,15° östlicher Länge über dem Wadi El Hatab, 100 km südlich von Ägypten. Die Explosion dürfte in der Dämmerung wie ein Vollmond erschienen sein; sie wurde sogar von der Crew eines KLM-Jets bemerkt, der 1400 km weiter westlich über den Tschad flog.

Jährlich platzen einige kleine Asteroiden in großen Höhen, ohne viel anzurichten. Manchmal werden dabei größere Energien frei: Im Kalten Krieg schlugen mehrfach die Warnsysteme der Supermächte Alarm, da sie das für Atomexplosionen hielten.

Der Vorfall, wie gesagt eine Premiere, macht indes auch auf ein gravierendes Problem aufmerksam: die Vorwarnzeit vor Asteroiden. Sie sinkt, je kleiner der Körper ist, weil man ihn erst spät entdeckt. „2008 TC3“ war zwar klein und ungefährlich, aber schon solche, die nur wenig größer sind (etwa ab 15 bis 20 Meter), können einschlagen und Verwüstungen anrichten. Vielleicht steht schon morgen so einer vor der Tür.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2008)