Doping-Affäre: Sorge um Imageschaden für das Kinderspital

dr helmut gadner St Anna Kinderkrebsforschung Robert Strasser
dr helmut gadner St Anna Kinderkrebsforschung Robert Strasser(c) St. Anna Kinderkrebsforschung (Robert Strasser)
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Das St. Anna Kinderspital spielt, so der ärztliche Direktor Helmut Gadner, „bei den Vorwürfen keine Rolle“. Die Folgen wären fatal, würden deshalb Spenden ausbleiben.

WIEN. Seit Sonntag dreht sich in Österreich wieder das Doping-Rad. In einem „Kurier“-Artikel wurden Vorwürfe gegen den Kinderarzt Andreas Z. erhoben. Der Mediziner und Hobby-Triathlet steht unter Verdacht, in einem Wiener Fitnesscenter das Blutdopingmittel EPO verkauft zu haben. Der Arzt wurde daraufhin noch am Sonntag „beurlaubt“, erklärt Helmut Gadner, der ärztliche Direktor des St. Anna Kinderspitals. „Nach Feststellung, dass es sich um eine private Angelegenheit handelt, wurde diese Maßnahme sofort veranlasst.“

Ein anderer Schritt wäre, so Gadner, nicht vertretbar gewesen. Denn das Kinderspital dürfe keinen (Image-)Schaden davontragen, unter keinen Umständen. „Der Zeitpunkt ist auch äußerst unglücklich. Wir benötigen doch die Spendengelder. Unser Spital spielt bei diesen Vorwürfen keine Rolle!“ Die Folgen wären fatal, würden deshalb Spenden – vor allem in der Weihnachtszeit – ausbleiben.

Klage, Rücktritt, Zeugen

Inzwischen nimmt diese Causa den erwarteten Lauf. Die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt, Z. trat als Obmann seines Triathlonvereins zurück und reichte am Dienstag gegen den „Kurier“ Klage wegen „übler Nachrede“ ein. Parallel dazu melden sich immer mehr – weiterhin anonym bleibende – Sportler. Sogar Österreichs im Sommer aus der Taufe gehobene Anti-Doping Agentur schaltet sich tatkräftig ein: Wer genügend Zivilcourage besitzt, möge sich doch bei ihr zur Zeugenaussage einfinden...

Dass im Kinderspital selbst Erythropoietin (EPO) verwendet wird und Z. sich seit fünfzehn Jahren damit beschäftigt hatte, ist Tatsache. Dafür ist dieses (von Dopern missbrauchte) Medikament auch ursprünglich entwickelt worden, in Wien diente es klinischen Anwendungsstudien. Es gab dazu drei Anwendungen, sagt Gadner, es sollten Anämien bei Kindern untersucht oder die Frequenz von Bluttransfusionen bei Leukämiefällen reduziert werden. Erfolge blieben aber „leider“ aus.

Allerdings, und das ist zumindest jetzt ein besonders wichtiger Etappensieg des Kinderspitals, wurde jeder Schritt tunlichst genau dokumentiert. Gadner: „In den vergangenen drei Jahren gab es drei EPO-Anwendungen bei Patienten. Den Protokollen, Dokumenten und Beständen im Haus zufolge und auch nach Rücksprache mit dem AKH und der dortigen Apotheke wurde lückenlos festgestellt, dass im Kinderspital absolut gar nichts gelaufen ist. Aus unserem Haus ist nichts verschwunden, nicht ein Präparat ist uns abhanden gekommen.“ Sollte also tatsächlich in einem Fitnesscenter Handel betrieben worden sein – für Andreas Z. gilt die Unschuldsvermutung –, sei das eine rein „private Angelegenheit“, bemüht sich Gadner, der seit Sonntag keinen Kontakt mehr mit seinem beurlaubten Mitarbeiter hatte, wiederholt klarzustellen. „Ich bin schockiert und betroffen, was da passiert. Aber ich hoffe, dass wir zeigen, dass wir nicht alle in einem Sumpf stecken.“

Die Mühlen des Gesetzes

Interesse an einer schnellen Aufklärung haben alle Seiten bekundet, auch Z., der auf seine Einvernahme wartet. Angesichts der noch immer laufenden Ermittlungen um die Verwicklungen eines Wiener Blutlabors in die Turin-Affäre (Olympia 2006, Anm.) erscheint dies jedoch fraglich. In Dopingfällen mahlen Österreichs Gesetzesmühlen äußerst langsam.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2008)

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