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Lufthansa

Schöner Kranich, gierig nach Beute

02.01.2017 um 20:31
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Im Privatisierungsprozess der AUA galt die Deutsche Lufthansa von Anfang an als Favorit. Nun haben sich die österreichische Staatsholding ÖIAG und die Lufthansa auf eine Übernahme der AUA geeinigt.  Dabei ist AUA nur eine Gesellschaft von vielen, die sich die Lufthansa bisher einverleibt hat. Wer steht hinter dem Logo mit dem Kranich? Was sind die Kennzeichen des Konzerns? (mar)
Im Privatisierungsprozess der AUA galt die Deutsche Lufthansa von Anfang an als Favorit. Nun haben sich die österreichische Staatsholding ÖIAG und die Lufthansa auf eine Übernahme der AUA geeinigt. Dabei ist AUA nur eine Gesellschaft von vielen, die sich die Lufthansa bisher einverleibt hat. Wer steht hinter dem Logo mit dem Kranich? Was sind die Kennzeichen des Konzerns? (mar)
(c) APA (Boeing.com/Arne Dedert dpa/THE B)
Die Deutsche Lufthansa ist nach der Air France KTM der zweitgrößte Carrier Europas und gehört zu den zehn größten der Welt. Sie steht laut Branchendienst aerosecure.de weltweit  - beim Umsatz auf Platz 7, - bei der Anzahl der Passagiere auf Platz 7, - beim Gewinn auf Platz 6.
Die Deutsche Lufthansa ist nach der Air France KTM der zweitgrößte Carrier Europas und gehört zu den zehn größten der Welt. Sie steht laut Branchendienst aerosecure.de weltweit - beim Umsatz auf Platz 7, - bei der Anzahl der Passagiere auf Platz 7, - beim Gewinn auf Platz 6.
(c) EPA (Matthias Schrader)
Bei einer Mitarbeiterzahl von 100.779 hat die Lufthansa im Jahr 2007 einen Umsatz von 22,4 Milliarden Euro gemacht und einen Gewinn von 1,65 Milliarden Euro erwirtschaftet - die Deutschen gehören damit zu den wenigen der Luftfahrtbranche, die auch 2007 schwarze Zahlen geschrieben haben.  Soweit zu den Unternehmensdaten. Doch wem gehört die Lufthansa?
Bei einer Mitarbeiterzahl von 100.779 hat die Lufthansa im Jahr 2007 einen Umsatz von 22,4 Milliarden Euro gemacht und einen Gewinn von 1,65 Milliarden Euro erwirtschaftet - die Deutschen gehören damit zu den wenigen der Luftfahrtbranche, die auch 2007 schwarze Zahlen geschrieben haben. Soweit zu den Unternehmensdaten. Doch wem gehört die Lufthansa?
(c) AP (MATTHIAS RIETSCHEL)
Einst vollständig in Staatsbesitz, ist der Konzern heute als Aktiengesellschaft in Privatbesitz - anders als zahlreiche Mitbewerber. Seit dem Börsengang 1966 reduzierte der Staat ab 1994 seinen Mehrheitsanteil schrittweise bis zur vollständigen Privatisierung 1997.  Bei allen Vorteilen eines an der Börse notierten Konzerns: Die Schattenseite dieser Besitzerstruktur wurde 2007 deutlich sichtbar.
Einst vollständig in Staatsbesitz, ist der Konzern heute als Aktiengesellschaft in Privatbesitz - anders als zahlreiche Mitbewerber. Seit dem Börsengang 1966 reduzierte der Staat ab 1994 seinen Mehrheitsanteil schrittweise bis zur vollständigen Privatisierung 1997. Bei allen Vorteilen eines an der Börse notierten Konzerns: Die Schattenseite dieser Besitzerstruktur wurde 2007 deutlich sichtbar.
(c) AP (Uwe Lein)
Als wegen der Hauptversammlung im April 2007 alle Aktionäre registriert wurden, kam heraus, dass 45,75 Prozent aller Aktionäre - ob natürlich oder juristisch - von außerhalb der EU kommen.  Das kann zu einem veritablen Problem werden.
Als wegen der Hauptversammlung im April 2007 alle Aktionäre registriert wurden, kam heraus, dass 45,75 Prozent aller Aktionäre - ob natürlich oder juristisch - von außerhalb der EU kommen. Das kann zu einem veritablen Problem werden.
(c) Www.BilderBox.com (BilderBox.com)
Beträgt nämlich der Anteil fremder Anteilseigner mehr als 50 Prozent, droht der Verlust itnernationaler Luftverkehrsrechte.  Der Vorstand wurde angehalten, darauf zu achten, dass die Marke von 50 Prozent nicht überschritten wird. Eine Methode hierbei ist die Ausgabe von Namensaktien, deren Verkauf der Konzern zustimmen muss.
Beträgt nämlich der Anteil fremder Anteilseigner mehr als 50 Prozent, droht der Verlust itnernationaler Luftverkehrsrechte. Der Vorstand wurde angehalten, darauf zu achten, dass die Marke von 50 Prozent nicht überschritten wird. Eine Methode hierbei ist die Ausgabe von Namensaktien, deren Verkauf der Konzern zustimmen muss.
(c) EPA (Oliver Berg)
An der Spitze des Konzerns steht seit 2003 Wolfgang Mayrhuber. Der Oberösterreicher, der vor mehr als 35 Jahren als Triebwerksingenieur bei der Lufthansa begann, hat sich nach dem 11. September als ausgezeichneter Krisenmanager einen Namen gemacht.
An der Spitze des Konzerns steht seit 2003 Wolfgang Mayrhuber. Der Oberösterreicher, der vor mehr als 35 Jahren als Triebwerksingenieur bei der Lufthansa begann, hat sich nach dem 11. September als ausgezeichneter Krisenmanager einen Namen gemacht.
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Bei den Verhandlungen zur Übernahme der AUA dürfte Mayrhuber einem alten Bekannten begegnen: Andreas Bierwirth, ehemaliger Lufthansa-Manager und seit April 2008 im Vorstand der Austrian Airlines. Spekulationen zufolge könnte Bierwirth bald neuer AUA-Chef werden.
Bei den Verhandlungen zur Übernahme der AUA dürfte Mayrhuber einem alten Bekannten begegnen: Andreas Bierwirth, ehemaliger Lufthansa-Manager und seit April 2008 im Vorstand der Austrian Airlines. Spekulationen zufolge könnte Bierwirth bald neuer AUA-Chef werden.
Die Zeit für Zukäufe scheint derzeit günstig - zumindest für finanzstarke Fluggesellschaften. Viele kleinere Konkurrenten sind durch die hohen Treibstoffpreise und eine schwindende Nachfrage unter Druck geraten und suchen einen starken Partner.
Die Zeit für Zukäufe scheint derzeit günstig - zumindest für finanzstarke Fluggesellschaften. Viele kleinere Konkurrenten sind durch die hohen Treibstoffpreise und eine schwindende Nachfrage unter Druck geraten und suchen einen starken Partner.
(c) Www.BilderBox.com (BilderBox.com)
Hier die Lufthansa und die AUA im direkten Vergleich.  Skeptiker befürchten durch die Übernahme der AUA durch die Lufthansa eine abnehmende Bedeutung des Drehkreuzes Wien - die Lufthansa betreibt bereits die nahegelegenen Drehkreuze Frankfurt, München und Zürich (Swiss).  Optimisten dagegen verweisen auf das Beispiel Swiss.
Hier die Lufthansa und die AUA im direkten Vergleich. Skeptiker befürchten durch die Übernahme der AUA durch die Lufthansa eine abnehmende Bedeutung des Drehkreuzes Wien - die Lufthansa betreibt bereits die nahegelegenen Drehkreuze Frankfurt, München und Zürich (Swiss). Optimisten dagegen verweisen auf das Beispiel Swiss.
Als die Deutschen im Jahr 2005 mit der Übernahme der größten Schweizer Fluglinie begannen, ging durch die Schweiz ein Aufschrei.  Doch neben dem Fortbestand der Marke Swiss wurde auch das Drehkreuz Zürich erhalten. Die Konsolidierung der ehemals defizitären Swiss ist mittlerweile vollständig abgeschlossen. Die Gesellschaft schreibt wieder satte schwarze Zahlen und verbessert die Lufthansa-Bilanz erheblich. Als Unternehmen ist sie inzwischen das Vielfache dessen wert, was die Lufthansa seinerzeit gezahlt hat - 310 Millionen Euro.
Als die Deutschen im Jahr 2005 mit der Übernahme der größten Schweizer Fluglinie begannen, ging durch die Schweiz ein Aufschrei. Doch neben dem Fortbestand der Marke Swiss wurde auch das Drehkreuz Zürich erhalten. Die Konsolidierung der ehemals defizitären Swiss ist mittlerweile vollständig abgeschlossen. Die Gesellschaft schreibt wieder satte schwarze Zahlen und verbessert die Lufthansa-Bilanz erheblich. Als Unternehmen ist sie inzwischen das Vielfache dessen wert, was die Lufthansa seinerzeit gezahlt hat - 310 Millionen Euro.
(c) ASSOCIATED PRESS (STEFFEN SCHMIDT)
Die Swiss dient nicht nur in der AUA-Privatisierung häufig als ein Vergleichsmaßstab. Auch bei anderen Übernahmen muss sich die Lufthansa immer wieder an der gelungenen Integration der Schweizer Linie messen.  Und Unternehmensdeals gibt es nicht gerade wenige: Der Konzern Deutsche Lufthansa AG ist an mehr als 400 Gesellschaften weltweit beteiligt. Dazu gehören Finanzgesellschaften ebenso wie Beteiligungen an Flughäfen oder Kooperationen im Verbund der Star Alliance, bei dem auch die AUA Mitglied ist.
Die Swiss dient nicht nur in der AUA-Privatisierung häufig als ein Vergleichsmaßstab. Auch bei anderen Übernahmen muss sich die Lufthansa immer wieder an der gelungenen Integration der Schweizer Linie messen. Und Unternehmensdeals gibt es nicht gerade wenige: Der Konzern Deutsche Lufthansa AG ist an mehr als 400 Gesellschaften weltweit beteiligt. Dazu gehören Finanzgesellschaften ebenso wie Beteiligungen an Flughäfen oder Kooperationen im Verbund der Star Alliance, bei dem auch die AUA Mitglied ist.
(c) Dpa/dpaweb (A1885 epa Keystone Martin Ruetsc)
Allein im Bereich der Fluggesellschaften können sich die Aktivitäten dieses Jahres sehen lassen:  Die Minderheitsbeteiligung der US-amerikanischen JetBlue Airways im Jänner, die Übernahme der belgischen Brussels Airlines im September, die Verhandlungen mit der skandinavischen SAS oder das anhaltende Interesse an der italienischen Alitalia sind nur die jüngsten Stationen in einer langen Reihe.
Allein im Bereich der Fluggesellschaften können sich die Aktivitäten dieses Jahres sehen lassen: Die Minderheitsbeteiligung der US-amerikanischen JetBlue Airways im Jänner, die Übernahme der belgischen Brussels Airlines im September, die Verhandlungen mit der skandinavischen SAS oder das anhaltende Interesse an der italienischen Alitalia sind nur die jüngsten Stationen in einer langen Reihe.
(c) EPA (Oliver Berg)
Parallel zur Übernahme der AUA steht als nächstes die Aufstockung der Anteile an der British Midland Airways (BMI) auf 50 Prozent ins Haus - voraussichtlich im Jänner 2009.  Das bringt den Deutschen neben der Airline selbst begehrte Start- und Landerechte am Flughafen in London-Heathrow.
Parallel zur Übernahme der AUA steht als nächstes die Aufstockung der Anteile an der British Midland Airways (BMI) auf 50 Prozent ins Haus - voraussichtlich im Jänner 2009. Das bringt den Deutschen neben der Airline selbst begehrte Start- und Landerechte am Flughafen in London-Heathrow.
(c) AP
Doch für den als umsichtig geltenden Konzernchef Mayrhuber ist eine Übernahme trotzdem alles andere als Selbstzweck. Vor wenigen Wochen ließ er die geplante Fusion des Billigfliegers Germanwings mit TUIfly platzen.  Die "Financial Times Deutschland" zitierte den Oberösterreicher daraufhin mit der Aussage: "Ein Deal ist schön. Aber manchmal sind nicht gemachte Deals noch besser."
Doch für den als umsichtig geltenden Konzernchef Mayrhuber ist eine Übernahme trotzdem alles andere als Selbstzweck. Vor wenigen Wochen ließ er die geplante Fusion des Billigfliegers Germanwings mit TUIfly platzen. Die "Financial Times Deutschland" zitierte den Oberösterreicher daraufhin mit der Aussage: "Ein Deal ist schön. Aber manchmal sind nicht gemachte Deals noch besser."
(c) Dpa/dpaweb (A3471 Boris Roessler)

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