Bei der Nestroy-Gala im tiefsten November, die jedes Jahr erneut beweist, wo die Welthauptstadt des Theaters liegt, tummeln sich so viele berühmte Wiener, dass ein Nichtwiener wie ich leicht den Überblick verliert.
Angeregt unterhalte ich mich mit dem vielversprechenden Dichter Ewald Palmetshofer, bis ich draufkomme, dass ich mit dem ebenso begabten Burgschauspieler Gerrit Jansen gesprochen habe. Aber die sind halt beide nicht aus Wien, sondern von viel weiter weg!
Ende gut, alles gut: Ich traf dann, als Kaiserin Maria Theresia bereits gegangen war, auf Amy Winehouse, die nur noch unschlüssig im Foyer herumlungerte. Da flüsterte mir jemand zu, die besten Witze, die Maria Happel an diesem Abend als Glücksfee für erfolgshungrige Mimen gemacht habe, stammten nicht vom Skandal-Dramatiker Franzobel, sondern von einem Hauptstädter, der Kärnten echt mag – Sagt der Haider zu einem Freund: „In dir steckt ein großer Politiker.“ Lei lei im Ronacher.
Die besten Reden auf Peter Zadek aber, der fürs Lebenswerk geehrt wurde, habe der Wiener Gert Voss geschrieben und dann aus Staatsräson nicht halten dürfen, teilte mir ein Intimus mit, der aber schon überhaupt nicht genannt werden will. Stattdessen hielt ein Preuße, dessen Name mir entfallen ist, eine Laudatio auf sich und sein alter Ego, die Eitelkeit. Über Nestroy sagte der tatsächlich, so einer passe zur leichten Muse hier. Leicht! Wissen diese Nichtwiener denn überhaupt, wie schwer es ist, allein das Ronacher zu producen? Nestroy ein Leichter! Ha! Von dem könnte sogar noch Elfriede Jelinek das Bitterste lernen. Gschiss'n drauf, um im internationalen Jargon von Franzobel und Winehouse zu bleiben.
Das war der eigentliche Skandal an einem sonst anheimelnden Voradventabend. Darf man das Gastrecht so ignorant missbrauchen und auch noch zehnmal so lang sprechen wie Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, der den ganzen Zauber immerhin zahlt?
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2008)