Linz muss nicht New York werden

Noch hat das Kulturhauptstadtjahr nicht begonnen, schon wird Linz madig gemacht. Lasst Linz leben! Es verdient eine Chance.

Die Homepage ist unübersichtlich, die Werbung wirkt patschert. Der Intendant verdient zu viel. Lokale Kulturveranstalter knurren. Absagen irritieren die Medien. Und überhaupt: Linz hat sich schon immer auf Provinz gereimt, kein Vergleich mit den wahrhaft edlen Landeshauptstädten Salzburg oder Graz. In den letzten Monaten waren die Urteile über Linz 2009 meistens negativ.

Jetzt wird es Zeit, endlich hinzufahren. Das Silvesterritual könnte heuer zur Abwechslung einmal in Linz absolviert werden, wo das Kulturhauptstadtjahr pompös startet. Die einstige Industriestadt hat sich verwandelt. Das Lentos etwa ist ein weltstädtisch spannender Ort. Weitere Kulturbauten werden bald vollendet: der Südflügel beim Schlossmuseum, das neue Ars Electronica Center, irgendwann auch das neue Musiktheater. Linz muss nicht Wien werden. Dorthin hat es viele seiner Talente gezogen, neue wachsen nach. Wien ist arrogant und toll im Inhalieren: Ioan Holender, Klaus Bachler, Martin Kušej, Robert Meyer, Peter Handke, Adalbert Stifter – alles keine Wiener. Linz muss auch nicht New York werden, aber so arm wie Bilbao, das ein Guggenheim-Museum brauchte, um überhaupt wahrgenommen zu werden, ist es auch nicht. Das Programm wirkt weniger elitär als in Graz. Ein Vorteil. Linz muss populär sein, bevor es sophisticated werden darf. „In Linz müsste man sein“, lautet ironisch ein alter Kabarettspruch. 2009 hat die Stadt die Möglichkeit, das tatsächlich zu beweisen.
(Bericht: S. 31)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2008)

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