Pflichtschullehrer werden seit 1. Oktober 2007 nicht mehr an den Pädagogischen Akademien, sondern an Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet. Der Job bleibt trotzdem unterbewertet.
Wien. Ziele sollte man sich stecken. Nur zu hoch dürfen sie nicht sein, damit sie noch erreichbar bleiben. Eine Regel, die Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) bei Amtsantritt 2007 wohl nicht beachtet hat. Sie wollte eine gemeinsame Lehrerausbildung aller Pädagogen – herausgekommen ist etwas ganz anderes: Die Pädagogische Akademie (Pädak) wurde im Oktober vergangenen Jahres zwar in eine Pädagogische Hochschule (PH) umstrukturiert. Die Lehrerausbildung erfolgt dennoch weiterhin getrennt: Pflichtschullehrer studieren an der neuen PH, nur Lehrer höherer Schulen dürfen bzw. müssen die Universität besuchen. Im Herbst 2010 ist es dann so weit: Erstmals werden Absolventen der neuen PH in den Schulen unterrichten.
Hat sich an der Ausbildung der Pflichtschullehrer also nur die Bezeichnung geändert – oder bringt die neue PH auch bessere Lehrer hervor? Konkret werden Studenten der PH nach drei Jahren, also sechs Semestern, mit dem Bakkalaureat abschließen – und erhalten damit den niedrigsten akademischen Grad, den es in Österreich gibt. Anschließend haben sie die Möglichkeit, an einer Uni einen Master zu absolvieren – aber nicht die Fortsetzung zum AHS-Abschluss. Oder sie können direkt ins Berufsleben einsteigen und an Volks- oder Hauptschulen unterrichten.
Und in der Tat: Anscheinend hat sich an der Ausbildung etwas geändert. Das bestätigt Dagmar Hackl, Rektorin der Pädagogischen Hochschule in Wien: Die Beschäftigung mit der Wissenschaft sei hinzugekommen, das Verstehen von Erkenntnissen und deren praktische Anwendung ebenfalls. Änderungen hat es auch an der privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Graz-Seckau gegeben: „Das forschende Arbeiten ist an den Akademien zu kurz gekommen. Das ist jetzt nicht mehr so“, sagt Rektor Siegfried Barones. Die Studenten müssten sich jetzt stärker als früher einbringen. Der Nachteil dabei: Der Forschungsschwerpunkt der Hochschule müsse von dieser auch selbst finanziert werden, öffentliche Förderungen gäbe es keine.
„Netter Name statt Qualität“
Dass auch die betroffenen Lehrer mit der umstrukturierten Ausbildung zufrieden sind, darf bezweifelt werden. Zumindest wenn man Walter Riegler, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer, glaubt: „Die Umstellung hat außer einem netten Namen nichts gebracht. Die Qualität hat sich nicht wesentlich verbessert.“ Es sei „empörend und beschämend, dass Pflichtschullehrer weiterhin nur mit einem Bakkalaureat abschließen können“, sagt Riegler im „Presse“-Gespräch. Auch Dagmar Hackl fragt sich, was mit dem Bachelor eigentlich erreicht werde. Er könne jedenfalls nur eine Zwischenstufe sein, die noch nicht ausdiskutiert sei.
Das Problem, das Riegler beim Bachelor sieht: Die Pflichtschullehrer bleiben – auch im öffentlichen Bild – Lehrern höherer Schulen nachgeordnet. „Viele Eltern glauben immer noch, dass Menschen mit besserer akademischer Bildung automatisch bessere Lehrer sind.“ Rieglers Forderung daher: Den PHs endlich auch ein Masterstudium zu genehmigen – ohne die Ausbildung von Pflichtschullehrern und Mittelschullehrern zusammenzulegen.
Dass das immer noch nicht geschehen sei, habe vor allem finanzielle Gründe: „Schließlich müsste der Staat besser ausgebildeten Pflichtschullehrern auch mehr Gehalt bezahlen“, sagt Riegler. Dabei sei gerade bei diesen eine gute Ausbildung am wichtigsten: „Bei den Jüngsten können schlechte Pädagogen den meisten Schaden anrichten“, sagt Riegler.
Massiver Lehrermangel droht
Auch dass die Pädagogischen Hochschulen künftig wahrscheinlich nicht dem Unterrichtsministerium, sondern (wie Universitäten oder Fachhochschulen) dem Wissenschaftsministerium unterstehen sollen, sorgt für Kontroversen. PH-Rektorin Hackl sieht darin eine „Voraussetzung“ für ihre künftige Arbeit. „Wir gehören in den wissenschaftlichen Sektor. Damit die Kooperation mit Fachhochschulen und Universitäten auf gleichem Level stattfinden kann.“
Die Ressort-Zugehörigkeit ist für Walter Riegler nicht nötig, um den Lehrberuf attraktiver zu gestalten und damit den drohenden Lehrermangel abzuwenden. Die Gewerkschaft warnte vergangene Woche: Bis 2023 gehen in ganz Österreich rund 38.000 Pflichtschullehrer in Pension. Bis dahin werden voraussichtlich nur 16.000 neue Lehrkräfte an den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet. Zahlen des Unterrichtsministeriums zufolge fehlen bis 2023 sogar 50.800 Lehrer an allen Schultypen in Österreich. Ministerin Schmied will gegensteuern – mit höheren Einstiegsgehältern und besseren Karrieremöglichkeiten.
AUF EINEN BLICK
■Pflichtschullehrer werden seit 1. Oktober 2007 nicht mehr an den Pädagogischen Akademien, sondern an Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet. Junglehrer schließen ihre dreijährige Ausbildung mit dem Bachelortitel ab. In Österreich gibt es neun staatliche und sechs kirchliche bzw. private Pädagogische Hochschulen. In den kommenden 15 Jahren bilden sie voraussichtlich 16.000 Lehrer aus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2008)