Die Reaktionen auf das Regierungsprogramm zu Kunst und Kultur: kritisch bis zweckoptimistisch.
„Es steht nichts drin.“ Kurz und bündig bewertete Nationalratsabgeordneter Wolfgang Zinggl das Programm der künftigen Koalitionsregierung von SPÖ und ÖVP für Kunst und Kultur. „Dieses Papier trägt die Handschrift der Ministerin (Claudia Schmied, SP), das wissen wir alles schon aus vielen Kommissionen und Studien, die sie in Auftrag gegeben hat, sie macht reine Ankündigungspolitik“, kritisiert der Kultursprecher der Grünen. Alles sei so schwammig formuliert, dass es auch wieder zurückgenommen werden könne. „Man muss entweder etwas machen oder eben lassen. Das hier ist kein zielorientiertes Programm.“ Vieles sei einfach aus dem Papier von 2007 übernommen worden. Positiv: das höhere Filmbudget.
Wilfried Seipel, der scheidende Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, freut sich über die Wiederbestellung der Ministerin für Bildung, Kunst und Kultur: „Sie hat sich vehement für die Erhöhung der Basis-Abgeltung eingesetzt. Ich hoffe, dass dies (der Beitrag des Bundes zum Erhalt seiner Museen und Theater) wenigstens zum Teil umgesetzt werden kann.“ Negativ bewertet Seipel, dass der Finanzminister nicht von der gleichen Fraktion wie Schmied, sondern vom Koalitionspartner ist. Das habe bisher zu Friktionen geführt. Aber vielleicht habe der Finanzminister ein Einsehen. „Die großen Projekte unseres Hauses (Kunstkammer und Völkerkundemuseum neu) kann man auch als Konjunkturprogramm verstehen.“
Gabriele Zuna-Kratky, die Direktorin des Technischen Museums, findet es „wunderbar, dass von Schmied ein Bekenntnis zur Museumsinitiative festgeschrieben wird.“ Sie begrüßt auch den freien Eintritt bis zum Alter von 19 Jahren: „Aber diese Aktion muss uns auch abgegolten werden.“ Sie drängt auf höhere Subventionen: „Ich nehme an, dass der Bund rasch tätig werden muss, nachdem die Mittel acht Jahre nicht erhöht wurden.“
Das Programm sei sehr allgemein formuliert, sagt Johanna Rachinger, die Chefin der Österreichischen Nationalbibliothek. „Wie es wirklich wird, weiß man erst nach den Budgetverhandlungen.“ Ein wichtiger Punkt für ihr Haus sei die Digitalisierung des kulturellen Erbes. „Wir brauchen eine kritische Masse. Allein die Erfassung unseres Altbestandes bis 1850 kostet 15 Millionen Euro.“
Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco sagt zur Erhöhung des Kulturbudgets: „Das ist das mindeste Zeichen, das eine Regierung in Anbetracht der weit über die Grenzen wahrgenommenen Bedeutung Österreichs als Kulturnation setzen kann. Dass diese Erhöhung allerdings nur unter Budgetvorbehalt und unter der Prämisse interner Umschichtungen erfolgt, ist mehr als enttäuschend!“
Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder betont als Vorsitzender der Direktorenkonferenz die Bedeutung der Grundsicherung. „Bildlich gesprochen geht es um die Grundnahrungsmittel, nicht um den Luxus zusätzlicher Leistungen.“ Zu seinem Haus: Die Albertina sei das vom Staat am niedrigsten dotierte Bundesmuseum, nach acht Jahren ohne Erhöhung und ohne Berücksichtigung der Erweiterungen müsse die Subvention des Bundes dem Rechnung tragen. „Wir wurden knapp gehalten. Auch der Finanzminister wird an seinen Handlungen gemessen werden, nicht an den Schönwetter-Reden.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2008)