Verkehr: Bis zu 30 Prozent weniger Transporte

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Die Transportwirtschaft spürt den Konjunktureinbruch besonders schnell. Viele Lkw sind stillgelegt. Was die Umwelt freuen dürfte, ist für die Beschäftigten eine existenzielle Bedrohung.

Wien. Vorübergehend stillgelegte Produktionsstraßen bei Magna, abgestellte Maschinen bei Autozulieferern und Papierfabriken sowie verlängerte Weihnachtsferien samt abgedrehten Hochöfen bei der Voest. Die österreichischen Industriebetriebe stellen sich in jüngster Zeit massiv auf den erwarteten – und teilweise bereits angekommenen – Nachfrageeinbruch ein. Zu spüren bekommen dies vor allem die Transporteure: Denn, wo weniger produziert wird, wird auch weniger transportiert. „Die Transporte sind um ein Viertel bis ein Drittel zurückgegangen. In einigen Branchen, wie in der Autoindustrie, beträgt der Rückgang sogar 60 bis 80Prozent“, sagt Rudolf Bauer vom Fachverband der Güterbeförderung. Seiner Meinung nach sind die Produktionsstilllegungen „zum Teil überzogen“.

Lkw stehen am Parkplatz

Die Frächter reagieren auf den Transporteinbruch, indem sie ebenfalls ihre Lkw stilllegen. „Mindestens 15 bis 20 Prozent der Fahrzeuge stehen derzeit herum“, sagt Bauer. Insgesamt gibt es in Österreich rund 70.000 schwere Lkw mit einer Ladekapazität von bis zu 40 Tonnen. Was die Umwelt freuen dürfte, ist für die Beschäftigten im Frachtgewerbe natürlich eine existenzielle Bedrohung. Vor allem bei Frächtern, die für die steirische Autoindustrie unterwegs waren, gibt es nun analog zu den Produktionsfirmen Kurzarbeit. Einen größeren Arbeitsplatzabbau unter den knapp 75.000 unselbstständig Beschäftigten der heimischen Frächter hat es bislang noch nicht gegeben, sagt Bauer. „In der Branche gab es einen Mangel von 5000 Fahrern. Dies wirkt derzeit noch wie ein Polster. Gute Fahrer werden zudem immer einen Job finden.“

Ansteigen dürfte aber die Zahl der Insolvenzen „Die Eigenkapitaldecke ist in vielen Betrieben dünn. Wenn die Banken nicht mehr mitspielen, wird es für diese Firmen hart.“ Bauer schätzt, dass die Zahl der Insolvenzen im zweiten Halbjahr doppelt so hoch ausfällt wie in der ersten Jahreshälfte. In dieser sind knapp 200 der etwa 11.200 Frachtunternehmen in die Insolvenz geschlittert.

Nicht ganz so drastisch sieht man die Lage bei den Spediteuren, die großteils die Transporte nur noch organisieren und nicht mehr selbst durchführen. „Die Autobranche geht sicher sehr zurück. Ansonsten wird bislang aber fast noch so viel wie bisher transportiert“, sagt Alexander Piekniczek vom Fachverband der Spediteure. Entscheidend sei, ob es sich nur um eine kurze Delle handelt, oder ob es wirklich zu einem langfristigen Abschwung kommt. Denn auch einen neuen Aufschwung würde die Transportwirtschaft relativ schnell wieder spüren.

Der Rückgang im Güterverkehr trifft aber nicht nur die Transporte auf der Straße. Auch auf der Schiene werden zum Teil herbe Einbrüche erwartet. So rechnet die Deutsche Bahn im Dezember mit einem Transportrückgang von 40 Prozent. Vor allem die Auto-, Chemie- und Stahlindustrie würden ihre Bahntransporte massiv reduzieren. Laut Gewerkschaften sollen ganze Rangierbahnhöfe wochenlang geschlossen werden, was 10.000 Mitarbeiter betreffen würde.

ÖBB überdenken Investitionen

„Jedes Logistikunternehmen ist stark konjunkturabhängig. Solche Zahlen treffen bei uns aber nicht zu“, sagt Thomas Berger, Sprecher der ÖBB-Güterverkehrssparte. Konkrete Zahlen gibt es bei den ÖBB aber noch nicht. Der Grund für die geringer erwarteten Auswirkungen sei die andere Kundenstruktur als die Deutsche Bahn. „Bei uns haben die Transporte von Holz und Papier den größten Anteil. Und Holz ist derzeit noch stabil.“ Allerdings müssen auch die ÖBB „Mittelfristpläne und geplante Investitionen neu überdenken“. Derzeit läuft bei den ÖBB ein Investitionsprogramm, mit dem für 400 Mio. Euro bis 2011 die Zahl der Güterwagen von derzeit 18.000 auf 22.000 gesteigert werden soll.

Bei einer anderen Investition – dem Kauf der ungarischen MÁV-Cargo – gibt es für die ÖBB trotz grünen Lichts von der EU noch Auflagen. So müssen die Bundesbahnen ihre sechsprozentige Beteiligung an der Raaberbahn verkaufen. Einen konkreten Zeitplan für den Verkauf oder einen ungefähren Preis gebe es aber noch nicht, sagt Berger.

AUF EINEN BLICK

Die Produktionsrückgänge in der Industrie treffen nun die Transportwirtschaft. Diese rechnet mit einem Einbruch von bis zu 30 Prozent.

Die Folge ist, dass bereits 15 bis 20 Prozent der Lkw ungenutzt auf Parkplätzen stehen. Einen größeren Jobabbau hat es bislang jedoch noch nicht gegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2008)

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