ORF will 1000 Angestellte weniger bis 2012

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(c) Grafik: DiePresse.com (Andreas Augustin)

Tausend Mitarbeiter sollen gehen. Generaldirektor Alexander Wrabetz: "Sonst droht Insolvenz". Quoten und Werbeeinnahmen sinken, teures und zu viel Personal: Das Problem ist hausgemacht.

Dem ORF droht der komplette Zusammenbruch. Das sagt nicht ein Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: „Werden nicht einschneidende Maßnahmen gesetzt, wäre die Folge eine Insolvenz des Unternehmens und die Zerschlagung in Einzelteile. Und da stehen schon nationale und internationale Investoren bereit, sich den einen oder anderen Teil einzuverleiben.“ Die 100 Millionen Euro minus, die der ORF heuer einfahren wird, sind nur der Anfang.

Am Donnerstag wartete Wrabetz mit einer weiteren Hiobsbotschaft auf: 700 Jobs sollen gestrichen, weitere 300 ausgelagert werden. Noch ist das ein Wunschprogramm. Der Betriebsrat zeigte am Donnerstag vor der ersten Gehaltsverhandlung Härte: Weil Wrabetz zu spät erschien, wurde ihm das Gespräch verweigert. Fest steht: Der ORF ist nicht mit ein paar läppischen Sparmaßnahmen zu retten. Er hat ein handfestes, selbst gemachtes Strukturproblem.

Das Worst-Case-Szenario.
Ohne weitere Maßnahmen würde der ORF laut Wrabetz in den kommenden Jahren ein Minus zwischen 70 und 100 Millionen Euro schreiben, hätte Ende 2012 sein Eigenkapital komplett verspielt. Immer wieder wird vor diesem Hintergrund sogar eine Teilprivatisierung als möglich erachtet, die mit dem Willen der Politik auch ohne Gesetzesänderung möglich wäre. Zur Disposition stehen in diesen Szenarien stets ORF1 und Ö3.


Träge wie die Verstaatlichten.
Ähnlich wie in Fällen der früheren verstaatlichten Industrie lebt der ORF in einer Welt der Privilegien, ist zu einem aufgeblähten Apparat aufgepäppelt worden. Als Monopolist auf dem Werbemarkt unangefochten, konnte er Bedingungen und Preise bestimmen – bei Bedarf wurden die Gebühren erhöht (zuletzt im Sommer 2008). Mittlerweile können 80 Prozent der Haushalte die Programm- und Werbefenster der deutschen Privatsender empfangen, der Marktanteil des ORF ist auf 40 Prozent zurückgegangen. Fazit: Der ORF musste seine Werbepreise um 15 Prozent senken.


Viel zu teures Personal.
Die Pro-Kopf-Gehälter liegen laut Wrabetz „deutlich über dem Markt“, das sei „eklatant bei denen, die länger dabei sind, aber auch beim Kollektivvertrag 2003“. Je Vollzeitkraft gibt der ORF 118.450 Euro im Jahr aus, abzüglich ca. 30 Prozent Lohnnebenkosten macht dies 83.000 Euro – im Durchschnitt. Größter finanzieller Sündenfall war die Anstellung von 1247 freien Mitarbeitern im Jahr 2003.
Aufgebläht wie ein Supertanker.
In den fetten Jahren hat sich Ballast angesammelt, der teuer kommt. Z.B. auf Pro-forma-Posten abgeschobene „weiße Elefanten“, die – aufgrund der politischen Farbenlehre – auf ihrem ursprünglichen Job anderen Platz machen mussten; dazu kommen eine teure, zeitweise nicht eingesetzte Technik, Mehrgleisigkeiten in der Organisation oder auch die Landesstudios, über die die Landeshauptmänner die Hand halten.

Von der Politik behindert.
Die Politik erweist sich als Hemmschuh. Die Parteien haben im Stiftungsrat und über Direktkontakte das Sagen. Das führt zu politisch motivierten Personalbesetzungen. Zugleich verlangt die neue Regierung vom ORF in ihrem Regierungsprogramm, er solle erst „die finanzielle Basis nachhaltig sichern“ – bevor über eine weitere Unterstützung des Öffentlich-Rechtlichen durch die öffentliche Hand nachgedacht wird (Stichwort: Gebührenrefundierung).


Teurer Standort Küniglberg.
Das ORF-Zentrum auf dem Küniglberg (erbaut: 1968 bis 1975) ist nicht mehr adäquat, steht unter Denkmalschutz: Ein Umbau wäre also schwierig. Wrabetz will den ORF daher „auf der grünen Wiese neu erfinden“ und dadurch Synergien nutzen. Auch von den Studios auf dem Rosenhügel hat man sich bereits so gut wie verabschiedet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2008)