Mumbai: Jüdisches Zentrum gestürmt - fünf Geiseln tot

(c) AP (Saurabh Das)

Streitkräfte brachten am Freitag das Hotel "Oberoi Trident" und das jüdische Zentrum im Nariman-Gebäude unter Kontrolle. Im "Taj Mahal" gehen die Kämpfe weiter, ein Terrorist hat sich dort noch verschanzt.

Am zweiten Tag nach der Anschlagswelle in Mumbai werden die Sicherheitskräfte nach und nach Herr der Lage. Die Polizei hat am Freitag sowohl die beiden von den Terroristen besetzten Luxushotels "Taj Mahal" und "Trident Oberoi" als auch das jüdische Zentrum im Nariman-Gebäude gestürmt. Im "Taj Mahal" hält sich noch ein Terrorist verschanzt.

Die Terroristen hatten am Mittwochabend unter anderem Hotels, Lokale und den Hauptbahnhof von Mumbai mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen. Unter den Todesopfern sind vier Deutsche, jeweils eine Parson aus Japan, Kanada und Australien, und zwei weitere Ausländer. Über 370 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, darunter 22 Ausländer.

Mindestens 130 Tote

Neuen Medienberichten zufolge kosteten die Anschläge mindestens 154 Menschen das Leben. Der Fernsehsender NDTV berichtete auf seiner Internetseite, durch die Angriffe islamistischer Attentäter seien 154 Menschen getötet sowie 327 weitere verletzt worden. Der Fernsehsender CNN-IBN nannte ebenfalls 327 Verletzte, berichtete jedoch von 155 Todesopfern. Nach offiziellen Angaben vom Freitag starben mindestens 130 Menschen. Ob bei der Zählung auch die 24 Leichen berücksichtigt wurden, die bei der Durchsuchung des Luxushotels Oberoi Trident entdeckt worden waren, blieb zunächst unklar.

Ein Staatsminister des Innenministeriums, Sri Prakash Jaiswal, befürchtete, dass die Zahl der Toten noch steigen könne. Wenn alle Leichen erfasst seien, würde die Zahl der Todesopfer möglicherweise auf bis zu 200 steigen, sagte er der Nachrichtenagentur Press Trust of India.

Polizei: "Oberoi Trident" unter Kontrolle

Das von den Terroristen besetzte Luxushotel "Oberoi Trident" wurde am Freitag von Sondereinheiten gestürmt. Mindestens 93 Menschen sollen befreit worden sein.

Die Polizei erklärte, das Hotel sei unter ihrer Kontrolle. Der Polizeichef von Bombay, Hassan Gafoor, teilte mit: "Wir glauben, dass dort keine weiteren Terroristen sind." Insgesamt haben Sicherheitskräfte 24 Leichen in den verschiedenen Zimmern entdeckt.

"Taj Mahal": Alle Geiseln befreit?

Die im "Taj Mahal"-Hotel gefangen gehaltenen Gäste konnten Medienberichten zufolge bereits alle durch Spezialeinheiten befreit werden. Die Sicherheitskräfte waren angewiesen worden, langsam vorzugehen, um Opfer zu vermeiden.

Im Hotel wurden die Leichen von rund 50 Personen entdeckt. Allein in einem Raum seien bis zu 15 Tote gelegen, berichtete ein Einsatzleiter.

Ein Terrorist hält sich noch in dem Hotel verschanzt. Die Sicherheitskräfte liefern sich Feuergefechte mit dem Attentäter. Der Terrorist wehrt sich hartnäckig.

Dem "Spiegel Online" zufolge wechselt er immer wieder zwischen zwei Stockwerken des Hotels, in denen der Strom ausgefallen ist. Er habe noch zwei Geiseln in seiner Gewalt.

Spezialeinheit stürmt jüdisches Zentrum

Am Morgen begannen indische Spezialeinheiten, in das noch besetzte jüdische Zentrum im Narinam-Gebäude vorzudringen. Aus Hubschraubern seilten sich Soldaten auf das Dach ab. Auch vom Boden aus rückten Soldaten auf das Gebäude vor. Indische Medien berichteten von Explosionen und Schüssen rund um das Zentrum.

Am Freitagnachmittag (MEZ) berichtete der Nachrichtensender CNN, dass der Einsatz der Eliteeinheiten beendet sei. Die Geiselnehmer seien getötet oder gefangenengenommen worden, berichtete das Fernsehen. Die Sicherheitskräfte hätten fünf getötete Geiseln gefunden.

Unter den Verhafteten sollen zwei britische Staatsbürger pakistanischen Ursprungs sein. Das berichtet die Londoner Zeitung "Evening Standard" am Freitag.

Neun Terroristen getötet

An den restlichen Schauplätzen in Mumbai wurden bei den Gefechten zwischen den Sicherheitskräften und den Terroristen offiziellen Angaben zufolge neun der Attentäter getötet. Einer sei festgenommen worden, teilte ein Regierungsvertreter am Freitag in Bombay mit. Er komme aus Pakistan, hieß es.

Die Antiterror-Kommandos fanden bei ihren Einsätzen Geld, Munition und auch einen Personalausweis aus Mauritius. Man gehe davon aus, dass er einem der Terroristen gehöre, sagte der Einsatzleiter.

Zu den Anschlägen hat sich die bisher nicht in Erscheinung getretene muslimische Gruppe "Deccan Mujaheddin" bekannt.

Vier Österreicher betroffen

Nach Angaben des österreichischen Konsuls in Neu Delhi, Paul Jenewein, befanden sich vier Österreicher in der Gefahrenzone. Ein Ehepaar war zu Beginn der Anschlagswelle gerade im Restaurant des "Taj Mahal". Ein Geschäftsmann und ein Lufthansa-Angestellter befanden sich im "Trident Oberoi". Alle konnten die Hotels unbeschadet verlassen. Ein weiterer Österreicher befand sich in unmittelbarer Nähe der Anschläge, konnte sich jedoch in Sicherheit bringen.

Pakistan verurteilt Anschläge

Indiens Erzrivale Pakistan hat unterdessen die beispiellose Anschlagserie in Mumbai verurteilt und Indien seine volle Unterstützung zugesichert. Der indische Außenminister Pranab Mukherjee hielt am Donnerstag jedoch an der Einschätzung der indischen Regierung fest, dass die Terroristen aus Pakistan gekommen seien. Islamabad solle seine Bemühungen verstärken, die Terror-Zellen im Land zu bekämpfen. Beobachter fürchteten, dass die Spannungen zwischen den beiden Atommächten nun wieder zunehmen.

In der Vergangenheit hat Indien Pakistan bereits mehrfach vorgeworfen, in Indien agierende islamistische Extremisten unterstützt zu haben. Die Regierung in Islamabad verteidigte sich am Freitag mit dem Hinweis, "nicht-staatliche Akteure" seien für die Angriffe verantwortlich. Pakistan werde mit Indien bei der Verfolgung der Drahtzieher zusammenarbeiten. Die Regierung in Islamabad willigte in einem bisher einmaligen Schritt ein, den Chef des berüchtigten Geheimdienstes ISI, Ahmed Shuja Pasha, zum Austausch von Informationen nach Neu Delhi zu schicken. Indien hat dem ISI in der Vergangenheit vorgeworfen, an Anschlägen beteiligt gewesen zu sein.

Der pakistanische Verteidigungsminister Ahmed Mukhtar sagte, Pakistan solle "nicht wie in der Vergangenheit" für Anschläge in Indien verantwortlich gemacht werden. Der Vorwurf der pakistanischen Verwicklung "wird den nach Jahren der Bitterkeit aufgebauten guten Willen zerstören", erklärte Mukhtar.