Talente müssen gefördert werden: an der Universität genauso wie in Unternehmen.
„Talente müssen gefördert und geformt werden“, sagt Bernhard Wundsam, bei der Talent-Circle-Diskussion „Reicht es aus, ein Talent zu sein?“. Viele Studenten wüssten noch nicht genau, wo ihre Stärken liegen, so der Geschäftsführer von Uniport und Initiator des Programmes: „Die Universitäten sind daher aufgefordert, hier zu unterstützen.“
Den Gedanken nimmt Christa Schnabl, Vizerektorin der Universität Wien für Studierende und Weiterbildung, auch gleich auf: „Talente waren lange Zeit negativ konnotiert. Man brachte sie leicht mit Elite in Verbindung und daher gab es eine Scheu, sie zu fördern.“ Die Zeiten hätten sich allerdings geändert und nun versuche die Universität, die Stärken der Studenten bestmöglich zu fördern. „Die Hochschulen haben allerdings nicht die Möglichkeit, jeden Einzelnen auf seine Talente hin zu durchleuchten“, schränkt Schnabl ein. Die Studenten müssten daher selbst erkunden, welche Talente sie haben.
Probleme mit der Messbarkeit
Konrad Liessmann, Professor für Philosophie an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften an der Universität Wien, sieht den Begriff des Talents kritisch: „Man sagt immer, jeder Mensch habe seine Talente. Ich glaube, das stimmt nicht. Nicht jeder ist in etwas wirklich sehr gut.“ Vor allem mit der Messbarkeit der Stärken hat Liessmann ein Problem. „Außer im Sport und der Musik, wo man klar messen kann, wie die Leistung von jemandem war, ist es schwer, eine konkrete Aussage über das Talent eines Menschen zu geben.“ Ein Hauptgrund dafür sei, dass Talente sich auch immer unterschiedlich in verschiedenen Umgebungen entwickeln und sichtbar werden können.
Humorvoll und selbstironisch nimmt Brokerjet-Vorstand Werner Steiber den Begriff des Talents: „Kreativität ist gefordert – wie man allerdings bei den hochgejubelten Bankmanagern in letzter Zeit gesehen hat, ist ein Übermaß davon auch nicht gut.“ Den oft zitierten „War for Talent“ beim Rekrutieren der besten Mitarbeiter sieht er nicht. „Hier wird nicht um die Mitarbeiter gekämpft.“ Dem widerspricht Silvia Buchinger, Personaldirektorin von HP: „Gerade in Osteuropa ist der Markt so ausgetrocknet, dass intensiv abgeworben wird. Jeder Mitarbeiter, den wir anlocken, kostet zwischen 30 und 50 Prozent mehr Gehalt, da wir ihm ja ein attraktives Angebot machen müssen.“ Unternehmen müssten Talente fördern, um sie zu halten. „Wenn die Mitarbeiter ihre Talente ausbauen können, dann ist das das beste Retention-Programm.“
Das High Potential Programm der Universität Wien wurde von Uniport und Partners4 ins Leben gerufen. 6 nationale und internationale Unternehmen (CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati Partnerschaft von Rechtsanwälten, FMA Finanzmarktaufsicht, The Boston Consulting Group, TPA Horwath Wirtschaftstreuhand und Steuerberatung GmbH, Wien Strom GmbH, Wiener Städtische Versicherung-AG ) haben sich dem Talent Circle 2008 angeschlossen und übernehmen die Patenschaft für junge Talente.
Im Mittelpunkt des Lehrgangs stehen Schlüsselqualifikationen wie Ziel- und lösungsorientierte Kommunikationskompetenz, Leadership und Teamfähigkeit, Umgang mit Veränderungsprozessen, Konfliktmanagement und eigenes Konfliktverhalten. Das Programm wird außerdem von der Industriellenvereinigung unterstützt.
(Die Presse, Printausgabe vom 29.11.2008)