Karlheinz Hackl im Gespräch mit der "Presse" über den Ernst der Satire und das Kabarett in der Politik.
Die Presse: Herr Kammerschauspieler, ab 11.Dezember treten Sie im Burgtheater gemeinsam mit Ihrem Kollegen Heinz Marecek auf. Geben Sie gerne den Gscheiten im Kabarett?
Karlheinz Hackl: In Reichenau war einmal der Robert Meyer der Gscheite, ich habe den Trottel gespielt – eine dankbare Rolle. Wenn der Heinz Marecek, dieser gescheite Bildungssozialist, den Deppen spielt, muss ich selber oft lachen. Der kann das gut. Ich will ihm die Welt erklären, ärgere mich über diesen Trottel, bin aber eigentlich auch einer. Das macht wahrscheinlich die Komik aus.
Wie todernst ist für Sie das Kabarett?
Hackl: Nur komische Gesichter zu schneiden, ist uninteressant. Kabarett ist tatsächlich sehr ernst mit einem witzigen Hintergrund. Wenn man es nicht ernst spielt, ist es nicht mehr so lustig. Es kann auch zeitlos sein. Nehmen Sie zum Beispiel die Texte, die Kurt Tucholsky über die Börse geschrieben hat, das ist unglaublich aktuell.
Was halten Sie von der Auseinandersetzung um die Kabarettisten Stermann und Grissemann, die für ihre Satire auf Kärnten nach dem Tod Jörg Haiders attackiert wurden?
Hackl: Es ist eine Geschmacksfrage, aber man muss zulassen, dass Satire stattfindet. Die „Hektiker“ haben mich einmal heruntergemacht. Man muss die Größe haben, solche Dinge einzustecken.
Wir leben in äußerst interessanten Zeiten.
Hackl: Stimmt. Das Kabarett findet aber woanders statt – im Parlament. Was man dort geboten kriegt, ist schwer zu überbieten.
Kann man das Wiener Publikum überhaupt zufrieden stellen, wenn man Sketches alter Meister wie Farkas oder Grünbaum spielt?
Hackl: Das Wienerische ist eine durchaus verführbare und verdrängende Mentalität. Aber auf diesem Humus ist auch viel gewachsen, hier bei uns ist die Satire, Tragödie und Komödie reich. Ich hoffe, dass wieder eine ideelle Zeit kommt, jetzt, wo das Materielle in Frage gestellt wird. Die Menschen sehnen sich nach Inhalten. Für die Kultur kann das wunderbar werden.
Was erwarten Sie sich dabei von der Politik? Sie wollten ja bei der Nationalratswahl im vergangenen September antreten.
Hackl: Der deutsche Präsident Richard von Weizsäcker hat gesagt, dass die Kultur Lebensmittel, die Wirtschaft Überlebensmittel sei. Wer das erkennt, reüssiert. Es gibt so viel Substanz in diesem Land. Zur Wahl: Ich habe halt ein Zeichen gesetzt, wollte auf die Kultur aufmerksam machen. Ich werde es in Wien wieder versuchen.
In welchem Zustand befinden sich die Theater?
Hackl: In keinem guten. Man hat den Reichtum von Typen nicht mehr. Es gibt heute keinen Kurt Sowinetz. Da leiden auch die Autoren. Nestroy oder Schnitzler sind schwer zu besetzen, sogar fürs Burgtheater. Außer der Birgit Minichmayr, der Regina Fritsch und dem Nicholas Ofczarek hat es keine großartigen Jungen. Der Nachwuchs leidet sicher, weil die Vakanzen nicht mehr vergeben werden können. Dafür ist kein Geld da.
Was raten Sie dem künftigen Burgtheater-Chef?
Hackl: Matthias Hartmann sollte Regisseure nehmen, die wirklich gut mit Schauspielern umgehen können. Das Theater ist nicht unbedingt dazu da, dass es an jedem Häusl Kellertheater aufführt. Wir müssen nicht beweisen, dass wir Trashiges spielen können. Früher gab es in Wien eine gute Teilung. Die Josefstadt etwa war nicht für Experimente da. Man muss das alles wieder ins Lot bringen, ich hoffe, Hartmann hat das Gefühl dafür.
Und was sind Ihre Pläne für die Burg?
Hackl: Ich möchte nicht mehr spielen, das interessiert mich nicht, sehr wohl aber inszenieren, „Geschichten aus dem Wienerwald“, das werde ich Hartmann sagen.
Eine Ihrer Töchter ist Schauspielerin, auch Ihre Gattin. Wie spielt sich bei Ihnen zu Hause ein Frühstück ab? Wird das inszeniert?
Hackl: Das Problem ist, dass man ständig über den Beruf redet. Ich war vorher mit einer Schauspielerin verheiratet, jetzt bin ich es wieder. Wir reden über das Spiel, die Rollen, in der kurzen Zeit, die einem bleibt. Wir versuchen, unser Kind zu erziehen, unsere Beziehung aufrechtzuerhalten, was nicht leicht ist. Nach elf Jahren Ehe stürzt man sich nicht schreiend im Sexualrausch aufeinander. Da werden andere Dinge wichtig. Wenn man sich dann noch etwas zu sagen hat, kann man von einer Beziehung reden.
Sie waren schwer krank, haben einen Stress-beruf. Woher nehmen Sie die Kraft?
Hackl: Manchmal ist es nicht leicht. Ich will die Zweisamkeit, bin aber ein Einzelgänger. Jetzt, wo ich meine Krankheit überlebt habe, möchte ich auch darüber reden, anderen Menschen Hoffnung geben. Viele Kranke leiden an Diskriminierungen. Über mich hat man gesagt, der bringt's nicht mehr, der ist deppert worden. Können Sie sich vorstellen, wie schwer das ist? Viele Leute verlieren ihren Job. Heute sogar die Gesunden.
Burgtheater: Kabarett
■„Melodie des Lachens – Ein Jahrhundert lässt Revue passieren“ mit Karlheinz Hackl, Heinz Marecek und Florian Schäfer (Klavier) wird an der Burg ab 11. Dezember um 20Uhr gespielt. Weitere Termine: 31.12., 16und 22.30Uhr, 1.1.2009, 16 und 20Uhr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2008)