Volksbanken brauchen Milliarde vom Staat

(c) AP (Ronald Zak)
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Verlust nach Kommunalkredit-Desaster – die Finanzkrise kostet 300 Mio. Euro. Insgesamt, so teilte die ÖVAG am Freitag mit, werde der Konzern einen Verlust ausweisen.

Wien (ju). Das Debakel um den Gemeindefinanzierer Kommunalkredit (der nach schweren Spekulationsverlusten praktisch verstaatlicht werden musste) und die eskalierende Finanzkrise treffen deren früheren Haupteigentümer Volksbanken AG (ÖVAG) offenbar härter als bisher angenommen: Das Volksbanken-Spitzeninstitut wird in seiner Bilanz 2008 einen Verlust ausweisen. Und der Staat wird im Rahmen seines Bankenhilfspakets bis zu eine Mrd. Euro Partizipationskapital einschießen müssen – wesentlich mehr als bisher angenommen.

Ursprünglich hatte die ÖVAG eine „normale“ Kapitalerhöhung geplant, die von ihren Aktionären, Volksbanken und Raiffeisen Zentralbank (RZB), gezeichnet hätte werden sollen. Vom Staat wollten sich die Volksbanker nur die Differenz von der Kapitalerhöhung zur zwecks Eigenkapitalstärkung angepeilten Milliarde holen. RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner hatte erst Donnerstagabend verkündet, sein Institut (das rund sechs Prozent an der ÖVAG hält) wolle bei der Kapitalerhöhung mitziehen.

Ein paar Stunden später war alles anders: Freitagnachmittag teilte die ÖVAG per Aussendung mit, dass sie bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 15. Dezember die Begebung von Partizipationskapital von bis zu einer Mrd. Euro beschließen werde. Und weiter: „Die Republik Österreich wird ersucht, im Rahmen des Finanzmarktstabilitätsgesetzes vorerst als Zeichner des PS-Kapitals aufzutreten.“ Allerdings werde gewünscht, dass die Aktionäre der ÖVAG dieses Kapital „zu einem späteren Zeitpunkt“ – unter Umständen auch in mehreren Tranchen – zurückkaufen und in Stammaktien umwandeln können.

Finanzkrise kostet 300 Millionen

Von der Finanzkrise ist das Institut nicht nur über das Kommunalkredit-Debakel getroffen worden: Aus der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, dem Beinahe-Staatsbankrott Islands und dem „Structured Credit Portfolio“ ist dem Institut laut Eigenangaben ein Abschreibungsbedarf von insgesamt 300 Mio. Euro erwachsen. Weitere 362 Mio. Euro hat die „Entkonsolidierung der Kommunalkredit auf Konzernebene“ gekostet. Das Institut musste nach Verlusten wie berichtet um einen Euro abgegeben werden.

Insgesamt, so teilte die ÖVAG am Freitag mit, werde der Konzern wegen dieser hohen Belastungen im Gesamtjahr nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IFRS einen Verlust ausweisen. Auf der Einzelinstitutsebene sieht es ein bisschen besser aus: Da könnte sich ein Gewinn ausgehen, wenn im vierten Quartal nichts mehr passiert.

„Redimensionierung“ geplant

In den ersten drei Quartalen hat die ÖVAG noch einen Überschuss (vor Steuern) von 52 Mio. Euro ausgewiesen. Die Kommunalkredit schlug im dritten Quartal mit einem Minus von 125 Mio. Euro zu Buche. Das ist ungefähr ein Drittel der Gesamtbelastung aus dem Kollaps der Gemeindefinanzierungsbank.

Die Aktionäre, die jetzt die geplante Kapitalerhöhung offenbar nicht „heben“, werden der Volksbanken AG aber auf andere Weise unter die Arme greifen. Laut Bericht der Austria Presseagentur ist geplant, dass die Volksbanken der ÖVAG die Volksbank Wien und andere Retail-Bereiche abkaufen. Damit würde das Spitzeninstitut zusätzlich „um einige hundert Millionen“ gestärkt. Wegen der schwierigen Lage müsse die Bank auch „redimensioniert“ werden, hieß es aus informierten Kreisen.

auf einen blick

Die ÖVAG will sich eine Mrd. Euro Partizipationskapital vom Staat holen. Ihre Aktionäre wollen diese Anteile erst später zurückkaufen und in Stammaktien umtauschen. Das Spitzeninstitut der Volksbanken wird auch die Volksbank Wien abgeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2008)

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